Aufsatz 
Rudolf Diesel und der Automobilmotor : ein Beitrag zur Geschichte des Fahrzeug-Diesels unter besonderer Berücksichtigung der Rolle Ludwig Lohners darin / von Paul Siebertz
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Rudolf Diesel und der Automobilmotor.

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der französischen Finna Lefebre einhaute; er kam jedoch mit diesen ersten in Österreich gebauten Automobilen gegenüber den führenden Wagenmarken Daimlers und Benz nicht recht ins Geschäft. Auf der ständigen Suche nach besseren Motoren stieß Ludwig Löhner dann Ende Juni 1897 auf einen am IG. Juni des gleichen Jahres vor der Hauptversammlung des Vereins deutscher Ingenieure in Kassel gehaltenen Vortrag, in dem Rudolf Diesel erklärte, es seien mit seinem Motor einer vollständig neuartigen Konstruktion nach vier­jährigen Versuchen endlich Ergebnisse erzielt worden, wie noch niemals vorher mit irgend einer anderen Wärmekraftmaschine. Sofort schrieb Löhner an den Erfinder, und dieser sein Brief vom 28. Juni 1897 brachte an Rudolf Diesel die erste nachhaltige Anregung heran,den Dieselmotor in Automobile einzu­bauen.

Rudolf Diesel bestätigte schon am 30. Juni von München aus den Empfang des LoiiNERsehen Briefes mit dem Vermerk, daß er denselbenan Herrn Friedrich Krupp, Gußstahlfabrik, Essen, welcher das Dispositionsrecht über meine öster­reichischen Patente besitzt und Ihr Schreiben direkt erledigen wird, weitergab.

Bei Krupp in Essen zeigte man jedoch keinesfalls das von Ludwig Löhner erwartete Interesse für einen Fahrzeug-Dieselmotor; man war dort nur zu gut über den Stand der Betriebsfähigkeit des ersten ortsfesten Dieselmotors unter­richtet der nach langwierigster und kostspieligster Versuchsarbeit in der Augsburger Maschinenfabrik endlich einigermaßen befriedigend lief, als daß man sich schon auf Experimente mit einem Dieselschnelläufer einlassen wollte, wie er für sc bienen losen Straßen verkehr gebraucht worden wäre. Immer­hin versuchte Krupp die Gasmotorenfabrik Deutz für die Gedankengänge Löhners zu interessieren, welche auch von Rudolf Diesel jetzt mit der leidenschaftlichen Beredsamkeit vertreten wurden, die ihm eigen war; aber das Deutzer Werk ge­dachte sich auf Weiterentwicklung des ortsfesten Dieselmotors zu beschränken und leimte eine Ausdehnung der Versuchsarbeit auf Fahrzeugmotoren glatt ab.

Während hierüber ein fruchtloser Briefwechsel hin- und herlief, vergewisserte Ludwig Löhner sich der Beratung eines Technikers, der zu jener Zeit in Öster­reich als Autorität auf dem Gebiete des Kraftmaschinenbaues galt, des Ingenieurs Ludwig Czischek-Christen, Lehrer an der Staatsgewerbeschule im 10. Wiener Bezirk. Czischek-Christen bestärkte Löhner aufs nachdrücklichste in der Idee, mit dem Dieselmotor würde sich eine österreichische Motorwagenindustrie be­gründen lassen, die sich allen Benzinautomobilen gegenüber bald als überlegen erweisen müsse; wenn es gelänge, das vom Automobile-Club de France fürs Früh­jahr 1898 geplante Autorennen ParisWien mit einemDieselauto zu bestreiten, wäre zweifellos der Weg für eine technisch und geschäftlich gleich glanzvolle Zukunft frei. Mit Schreiben vom 18. August 1897 entwickelten sie diese Pläne vor Rudolf Diesel, der sich nun gedrungen fühlte, Ludwig Löhner mit ausführ­lichem Briefe vom 19. Augustden genauen Stand der Motorwagenangelegenheit mitzuteilen wie folgt:

1. In Deutschland hat die Maschinenbau-Aktien-Gesellschaft Nürnberg, welche eine Lizenz zum Bau meiner Motoren erwarb, bereits unter Führung des Ihnen jedenfalls bekannten Spezialisten, Herrn Oberbaurat Klose, das Projekt eines Straßenwagen-