Rudolf Diesel und der Automobil motor.
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weiter, wenn er auch bereit blieb, ein Kapital von 100000 Mark für Versuchszwecke nach der von ihm angestrebten Richtung hin aufzuwenden.
Rudolf Diesel trat seit der Aussprache mit Löhner eifrig für eine Zusam-. menarbeit mit diesem ein. Unmittelbar nach der ersten Begegnung, also am 24. August 1897, ersuchte er die Firma Krupp in Essen telegraphisch „um Mitteilung der Bedingungen, unter welchen Krupp geneigt sei, Löhner das Monopol auf Motoren für Straßenwagen ohne Schienen innerhalb Österreichs, ohne Ungarn, zu übertragen“. Nach seiner Rückkehr aus Augsburg fand Löhner im Hotel „Vier Jahreszeiten“ in München die Antwort auf diese Anfrage vor: ein Telegramm, datiert Essen 25. August:
„Prinzipiell mit Vorschlag Diesel über Vertrag einverstanden bei hunderttausend Mark Anzahlung und fünfundzwanzig Prozent Abgabe. Krupp.“
Umgehend, noch von München aus, antwortete Löhner telegraphisch am 20. August 1897:
„Krupp Gußstahlfabrik Essen. Mit Bedingungen im Allgemeinen einverstanden erbitte Vertragsentwurf nach Wien. Löhner.“
Nach Wien zurückgekehrt, fand Löhner dort einen Brief vom Direktorium der Firma Krupp vor, der gleich nach Erhalt seines Antworttelegramms (noch am 26. August) in Essen geschrieben worden war, zwar konstatierte, „daß durch den Telegrammwechsel zwischen uns über die Grundlage des abzuschließenden Vertrages eine Einigung zustande gekommen ist“, jedoch hinzufügte:
„Ich möchte aber doch von der Übersendung eines Vertragsentwurfes an Sie vor der Hand noch Abstand nehmen, da ich es für richtiger halte, zunächst in eine mündliche Besprechung der ganzen Angelegenheit mit Ihnen einzutreten. Es wird mir sehr angenehm sein, zu diesem Zwecke Ihren in Aussicht gestellten Besuch zu empfangen; ich spreche aber das ergebenste Ersuchen aus, den Besuch nicht von dem 20. September ds. Js. ausführen zu wollen, da das mit der Sache speziell betraute Mitglied meines Direktoriums bis dahin beurlaubt ist.“
Einzig und allein davon ausgehend, daß er Dieselmotoren für Straßenfahrzeuge brauche, verhielt Löhner sich dem Zureden Czischek-Christens gegenüber ablehnend, vorerst einmal die Lizenz auf ortsfeste Dieselmotoren zu erwerben, „und solche im Verein mit der Nesselsdorfer Waggonfabrik zu bauen“. Zu dieser Ablehnung bestimmte ihn außer seinem sachlichen Grunde auch die bereits gegenüber Daimler und Bierenz in Erscheinung getretene persönliche Neigung, „alles im eigenen Wirkungskreis zu machen, ohne auf die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmungen angewiesen zu sein“. Sachlich befremdete ihn nebst manchem anderen eine erneute Erklärung der Gasmotorenfabrik Deutz, in der es — auf dem Wege über Krupp — endgültig abgelehnt wurde, ihm „die gewünschten 2—3 Dieselmotoren für Automobile zu liefern“.
Eine aus München mitgebrachte Broschüre über Dieselmotoren schickte er jetzt seinem Freunde Collmann — dem Erfinder der nach ihm benannten Ventilsteuerung für Dampfmaschinen —, dessen technisches Wissen er besonders hoch schätzte, und fragte diesen um Rat. Schon am 28. August 1897 antwortete Collmann; er kam nach Hinweis auf einige sorglich zu prüfenden Einzelfragen zu dem Schlüsse: