20
Paul Siebertz
„Diesels Erfindung ist gewiß von enormer Bedeutung, aber alleinseligmachend ist selbe auch nicht. Also gehe nicht gar zu sanguinisch in die Sache hinein. Ich glaube, daß eine Fabrik für Diesel-Petroleum- und Gasmotoren enorme Geschäfte machen wird, sobald einmal alles gründlich ausprobiert und Ubers Experiment hinaus ist; ob aber die Wagenfrage damit endgültig zu lösen ist, zweifle ich einstweilen.“
Von diesen und anderen Bedenken unterrichtete Löhner auch Rudolf Diesel, der ihm schon gleich nach seiner Abreise aus München wieder geschrieben und sich mit Brief vom 28. August erbötig gemacht hatte, „die weiteren Verhandlungen mit Herrn Friedrich Krupp zu vermitteln“. Wie hoffnungsfroh Rudolf Diesel in bezug auf die Lösung des Problems war, an dem allein Löhner sich interessiert zeigte, bekundet nachstehender weiterer Brief von ihm, der „München den 2. September 1897“ datiert ist und bemüht war, die Besorgnisse Löhners in bezug auf den „Straßenwagenmotor“ zu zerstreuen:
„Ich bestätige den Eingang Ihrer Geehrten vom 28. und 31. August und habe inzwischen von der Firma Friedrich Krupp Kopien Ihres Briefwechsels erhalten, aus dem icli mit Vergnügen ersehe, daß Sie im Prinzip einig sind. — Wenn auch das Detail der Vertrags-Verhandlungen erst nach dem 20. September stattfinden kann, so ist damit an der Sache selbst nichts geändert. Der Stand der Angelegenheit bleibt nach wie vor derselbe, nämlich: daß in Nürnberg schon an den Plänen zum Automobil-Motor gearbeitet wird, daß dort die Ausführung eines Motors in Bälde bevorsteht, daß die Compagnie Frangaise des Moteurs ä Gaz (früher Deutzer Filiale) mit allem Eifer danach strebt, sobald als irgend möglich einen Automobil-Motor meines Systems zu bauen, und daß es wünschenswert ist, die beiden Bestrebungen mit der Ihrigen (eventuell auch mit derjenigen von Peugeot, wenn derselbe Ihrer Aufforderung, beizutreten, Folge leistet) zu vereinigen, indem man einen Automobil-Spezialisten, der sämtliche einschlägigen Fragen genau kennt, ausfindig macht und denselben unter meiner Leitung in München arbeiten läßt.
Daß die Gasmotorenfabrik Deutz sich augenblicklich noch nicht für die Automobil-Frage interessiert, habe ich Ihnen ja schon mitgeteilt und war deren Antwort nicht anders zu erwarten. Diese Firma bleibt vorläufig außer der Kombination und von deren Beiziehung war meines Wissens bei unserer Unterredung nicht die Rede.
Die Bedingung, daß Sie die erste Hälfte der Patent-Anzahlung erst bei Lieferung der Pläne und die zweite Hälfte bei Lieferung eines Motors (welcher aber besonders zu bezahlen ist) leisten, entspricht unseren Abmachungen und wird demgemäß von der Firma Friedrich Krupp in den Vertrag aufgenommen werden. Im übrigen halte ich es selber fiir notwendig, das Detail einer solchen Verhandlung mündlich zu erledigen und wird sich dasselbe der Hauptsache nach auf dieselben Punkte beziehen, welche auch bei unserer Verhandlung schon berührt wurden. Ich halte es kaum für möglich, einen solchen Vertrag mit all den Kreuz- und Querfragen, welche dabei auftreten, schriftlich fertig zu bringen.
Im übrigen wird das mehr oder weniger rasche Zustandekommen eines praktischen Motors nur noch vom Eifer abhängen. welchen alle beteiligten Firmen an die Sache wenden; was meine Person betrifft, so wiederhole ich Ihnen die Versicherung, daß mich die Angelegenheit im höchsten Grade interessiert und daß ich derselben mein ganzes Können zur Verfügung stelle."
Weil dieser Brief sich mit einem Schreiben Löhners vom gleichen Tage gekreuzt hatte, schriet) Rudolf Diesel am 4. September 1897 noch eindringlicher — und diesmal handschriftlich — von seiner Überzeugung, daß sein Motor besondere Eigenschaften für den Automobilismus habe und daß es in kürzester Zeit gelingen werde, ihn auch zum Gebrauch in Straßenfahrzeugen zu entwickeln.