Rudolf Diesel und der Autoinobilmotor.
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„Auf Ihr Geehrtes vom 2. ds. beeile ich mich zu erwidern“, schrieb Rudolf Diesel in diesem Briefe vom 4. September 181)7, „daß die abwartende Haltung Peugeots uns in keiner Weise beeinflussen kann. Dieser Herr ist offenbar noch nicht unterrichtet von den glänzenden Resultaten, die schon erhalten sind und hat insbesondere keine Ahnung von den besonderen Eigenschaften meines Motors, welche ihn gerade für den Automobilismus fast mit Sicherheit den Sieg über alle anderen erhoffen lassen. — Was die Andeutung betrifft, daß meine Patente mit Daimler kollidieren, so ist diese Sache schon erledigt, und zwar durch die Anfechtung von Deutz, von welcher ich Ihnen erzählte; dieselbe baute sich auch auf ein altes Daimler’sches Patent auf, mußte aber wegen ihrer absoluten Unrichtigkeit zurückgezogen werden. — Daß die früheren, prinzipiellen Versuche, bei welchen ein neues Maschinensystem aus nichts geschaffen werden mußte, lange dauerten, ist wohl für jeden Sachverständigen selbstverständlich. — Ebenso selbstverständlich ist aber auch, daß die nun erreichten Resultate nicht brach liegen gelassen werden sollen; die Patentbesitzer sind gute Kaufleute und haben ein solches Interesse daran, die Zeit auszunützen, daß hierin schon eine gewisse Garantie legt.
Außerdem habe ich mich gleich nach unserer letzten Unterredung entschlossen, in München ein Studienbureau mit eigenem Personal zu errichten, wo alle diese Fragen, zunächst der Automobilismus, unter meiner persönlichen Leitung und mit tüchtigen Ingenieuren erledigt werden sollen; ich habe eben aus unserer Unterredung gesehen, daß es schwer, wenn nicht unmöglich ist, Spezialisten der gewünschten Art zu finden und gehe deshalb dazu über, eigenes Personal heranzubilden, welches dann umgekehrt den Lizenznehmern zur Verfügung steht, also auch Ihnen, wenn Sie einmal zu Versuchen übergehen. —
Unsere Nürnberger Konferenz hat leider noch nicht stattgefunden; das liegt aber nicht etwa an prinzipiellen Dingen, sondern nur darin, daß in der jetzigen Reisesaison alle Beteiligten weitzerstreut sind. Die Konferenz findet nächste Woche statt und ich gebe Ihnen die Versicherung, daß ich mich stramm an die Sache halten werde. —
Vielleicht darf ich überhaupt, ohne unbescheiden sein zu wollen, zum Schlüsse darauf hinweisen. daß ich Ihnen in der ganzen Angelegenheit meine Mitarbeiterschaft zugesagt habe, welche doch immerhin für eine möglichst rasche und gute Erledigung des Problems von Bedeutung ist.“
Ludwig Löhner bohrte jedoch mit Fragen weiter, und die Antworten Rudolf Diesels auf seine Briefe sind schon deshalb für die Geschichte der Technik von Interesse, weil sie tiefe Einblicke in die Gedankengänge gestatten, von denen er hei Behandlung des Fahrzeugmotors damals noch ausging. Ursprünglich hatte Diesel sich stark mit der Möglichkeit beschäftigt, daß für seine Motoren Kohlenstaub als Betriebsstoff Verwendung finden könne, und davon hatte er auch am 24. und 25. August in München und in Augsburg mit Löhner gesprochen. Anknüpfend an eine Bemerkung in Collmanns Briefe hatte Löhner nun unterm G. September die Frage aufgeworfen, ob die Verbrennung des Kohlenstaubes im Arbeitszylinder keine schädigenden Rückstände hinterlassen würde? Sofort, am 8. September 1897, ließ Rudolf Diesel durch sein Sekretariat antworten:
„Vom Inhalt Ihres geehrten Schreibens nahm ich bestens Notiz und finde heute nur einen einzigen Punkt, welcher der Beantwortung bedarf, nämlich den betreffend die innere Verunreinigung des Zylinders meiner Motoren. Für Automobil-Motoren kommen doch ausschließlich flüssige Brennstoffe in Betracht, vor allen Dingen gewöhnliches Lampen-Petroleum (später für Luxuswagen etwa noch Spiritus). Für diese Brenntstoffe gebe ich Ihnen die bestimmteste Garantie, daß nach beliebig langem Betrieb (also auch nach Monaten oder Jahren) nicht eine Spur von Rückständen oder Verunreinigung im Zylinder bemerkbar ist; darin besteht gerade ein wesentlicher Vorteil meiner Maschine.
Herr Professor Schröter durfte natürlich nur das bestätigen, was er selbst gesehen hatte, d. h. nach eintägigem Betrieb.