Rudolf Diesel und der Automobilmotor.
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berg bei der Maschinenbau AG. stattgefunden hat, und zwar zwischen deren Direktor, Herrn Rieppel, deren Oberingenieur, Herrn Vogel und Ingenieur Herrn Seyfried, Herrn Oberbaurat Klose und mir, unter Zuziehung des President Colonel E. D. Meier aus St. Louis, welcher sich ebenfalls fiir diese Frage für ein amerikanisches Konsortium interessiert: Die Konferenz hat die definitive Form des Motors festgesetzt. Dieselbe ist in jeder Beziehung äußerst befriedigend und rechtfertigt die schönsten Erwartungen. Die Ausführung des Straßenwagenmotors soll sofort begonnen werden und es ist zu hoffen, daß er noch in diesem Jahre fertig wird, während der Eisenbahnwagenmotor kurze Zeit darauf folgen w r ird.“
Weil Rudolf Diesel ihm am 19. August geschrieben hatte, ein geeigneter Automobilspezialist werde unter seiner Ijeitung in 14 Tagen ein Wagenmotorprojekt ausführen können, fragte Ludwig Löhner am 10. November nach „Zeichnungen des Straßenwagenmotors“. Diesel antwortete am 13. November, er werde gewünschte Zeichnungen schicken, „sobald ich selbst dieselben von Nürnberg erhalten haben werde“, was „leider noch nicht der Fall ist“; „ich werde aber mein Versprechen halten, sobald ich dazu imstande bin“. Nun gab Löhner auch die schon von seinem Berater Collmann und neuerdings von den Technikern der Nesseldorfer Wagenbaufabrik ausgesprochenen Befürchtungen an Diesel weiter, der Motor werde für ein Straßenfahrzeug zu schwer und konstruktiv zu kompliziert sein; überdies sei zu überlegen, ob sich ein Dieselmotor überhaupt für einen Wagenbetrieb eigne, „wo in nur kurzen Zeiten das zirka zehnfache der normalen Kraftleistung gefordert wird“.
Diesel war sich dessen zweifellos bewußt, daß Löhner hier auf die Kernpunkte des ganzen Fragenkomplexes gestoßen sei; seine vom 22. November 1897 datierte Antwort klingt etwas gereizt:
„Von einer Reise zurückgekehrt, komme ich erst heute zur Beantwortung Ihres Geehrten vom 15. ds. und erwidere auf die Kritik Ihrer Geschäftsfreunde Folgendes:
1. ) Mein Motor gehört nicht zu den kompliziertesten, sondern zu den einfachsten Konstruktionen der Petroleummotoren, weil bei ihm Vergaser, Zündvorrichtungen, Lampen, Anwärmevorrichtungen und dergleichen wegfallen, welche gerade beim Automobilismus am meisten zu Betriebsstörungen und Aufenthalten Anlaß geben. Diese sämtlichen Vorrichtungen sind bei meinem Motor ersetzt durch eine kleine Luftpumpe, welche wegen ihrer Einfachheit Betriebsstörungen so gut wie ausschließt.
2. ) Es ist mir unbekannt, auf welcher Basis Ihr Gewährsmann über das Gewicht meiner Motoren urteilt. Er hat vielleicht die Augsburger Maschine, die einzige und erste, welche existiert, gesehen, welche selbstverständlich als erstes Exemplar vorsichtig und schwer gebaut und mit vielen Anhängseln versehen ist, die teils von früheren Versuchen herstammen, teils zu späteren Versuchen vorbereitet sind. Rückschlüsse auf die Konstruktion des Automobilmotors sind daraus vollständig unzulässig.
Ich geben von Ihrem Briefe und meiner Antwort Herrn Friedrich Krupp, Essen, Kenntnis.“
Sofort nach Erhalt dieses Schreibens wandte Löhner sich an den Baurat Klose selbst; er wollte Gewißheit haben, „bevor er nach Essen fahre“. „Ich habe Herrn Diesel wiederholt um die cötierte Skizze des neuen Automotors gebeten sowie um Gewichtsangaben“, klagt er in seinem Briefe vom 23. November 1897, „doch erklärte er, selbe erst von Nürnberg zu erwarten; ich habe daher keinerlei Kriterium betreffs der vielseitigen Befürchtungen, daß der Motor viel zu plump und schwer ausfallen muß“. Schon am 25. November antwortete Klose ausführlich :