Aufsatz 
Rudolf Diesel und der Automobilmotor : ein Beitrag zur Geschichte des Fahrzeug-Diesels unter besonderer Berücksichtigung der Rolle Ludwig Lohners darin / von Paul Siebertz
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Rudolf Diesel und der Automobilmotor.

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bekommen ; ich bin diesfalls ganz verzweifelt mit Nürnberg, und mit Augsburg dürfte es nicht besser sein. Sie werden aber wohl in Österreich auch keine diesfalsige fixe Fabrik haben, so daß sie wahrscheinlich auch nicht schneller schießen können; wenn Sie aber wissen, wer mit Interesse an die Sache geht und in zwei Monaten ein Motorchen * bauen könnte, so würde ich mich mit ihm alsbald in Verbindung setzen; in Deutschland ist zur Zeit alles so mit Arbeit überlastet, daß man für etwas so Kleines kein Interesse momentan findet. 4-

Jetzt sah Ludwig Loiiner klar, und seine Antwort an Banrat Klose spiegelt die tiefe Enttäuschung wider, mit der er die Nachricht vom Scheitern aller Hoff­nungen entgegennahm.Ihre Details betreffs des ersten Dieselmotors waren mir von höchstem Interesse, schrieb er am 28. November 1897;doch sind mir Ihre Ausführungen betreffs ,zn hoher Preise des Dieselmotors 4 , ,Zurückgreifen auf Benzinmotoren mit zwei neuen Zündungen 1 , ,Verzweiflung betreffs Ver­zögerung der Ausführung 4 , ,Frage, oh in Österreich eine Fabrik einen Motor (Diesel oder Benzin?) in zwei Monaten hauen könnte 4 insofern unverständlich,,als mir Ihr Verhältnis zum Dieselmotor unklar ist; denn ohne irgendwie indiskret sein zu wollen, glaubte ich nach den Äußerungen Diesels annehmen zu sollen, daß Sie selbst mit der Augsburger Maschinenfabrik liiert seien, welche den ersten Dieselmotor baut und anderseits Ihr Seil-Transmissionssystem anwendet oder anwenden soll. Da nun Augsburg selbst Lizenzinhaberin ist und das höchste Interesse an dem baldigen günstigen Erfolge haben sollte, so ist offenbar meinerseits irgendwo ein Trugschluß vorhanden und wollen Sie dies entschul­digen.

Von nun an drängte Löhner bei Rudolf Diesel nicht mehr um Einzelangaben oder bei Friedrich Krupp um Vorlage eines Lizenzvertrages; er wußte jetzt, daß es nutzlos sein würde. In einem Briefe vom 27. Januar 1898 an Krupp machte er auch keineswegs einen Hehl aus seiner Enttäuschung. Wohl schrieb ihm Rudolf Diesel am 14. März 1898 noch einmal, daß er ihmbezüglich des Nürnberger Automobilmotors aus dem alleinigen Grund noch keine weiteren Mit­teilungen machen könne, weil infolge zahlreicher anderer drängender Arbeiten die Entwicklung der Automobilmotorangelegenheit bislang in Nürnberg noch nicht so hat beschleunigt werden können, wie dieses im allseitigen Wunsche lag 44 ; aber Löhner bewertete diesen Brief nur mehr als die verlegene Umschreibung eines vollständigen Rückzuges. Er ging bereits seine eigenen Wege, die ihn im Verein mit Ferdinand Porsche dann auch zu Pioniertaten auf dem Gebiete des Kraftfahrwesens führten, von denen im Rahmen dieser Untersuchung nicht zu sprechen ist.

Während die von Ludwig Löhner mit regstem Interesse vorgetragenen ersten Anregungen zur Schaffung eines Fahrzeug-Dieselmotors in Nürnberg schon als abgetan galten, wurde die Sache von Frankreich aus erneut auf ge­nommen. In Bar-le-Dnc betrieb Ingenieur Frederic-Charles Dyckhoff eine Maschinenfabrik, mit der Rudolf Diesel seit Jahren in Geschäftsverbin­dung stand; er hatte im Jahre 1894 mit Dyckhoff einen Vertrag, betreffend Her­stellung und Vertrieb von Dieselmotoren abgeschlossen. Dyckhoffs eigene Bau- versuche waren freilich gescheitert; aber nachdem im Februar 1897 von autori-