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Paul Siebertz
tativer Seite die Betriebsfähigkeit des in Augsburg gebauten ersten ortsfesten Dieselmotor bestätigt worden war, gründeten Diesel und Dyckhoff am 12. April
1897 eine Societe Frangaise des Moteurs R. Diesel ä combustion intdrieure mit dem Sitze in Bar-le-Duc, deren Leitung Dyckhoff als Administrateur ddlegud übernahm. An diesen schrieb zu Beginn des Jahres 1898 aus Paris ein Herr Pellerin; er wünschte mit Dyckhoff einen Sublizenz- und Belieferungsvertrag abzuschließen, und ganz besonders war es ihm um eine Lizenz für die Konstruktion von Fahrzeug-Dieselmotoren zu tun. Ein von ihm zu gründendes Unternehmen wollte er Societe Frangaise des Automobiles R. Diesel benennen.
„Der vom 6. Februar 1898 datierte Entwurf des Vertrages, der mit Pellerin abgeschlossen werden sollte, zeigt,“ so berichtet die ATZ in ihrem mehrerwähnten „Beitrag zur Geschichte des Fahrzeug-Dieselmotors“, „mit welcher Sicherheit auch in Frankreich der baldige und volle Erfolg der Motorbauart Diesel-Klose erwartet wurde, deren Versuchsmotor während der ersten Monate des Jahres
1898 in Nürnberg erst durchkonstruiert wurde und nun erprobt werden sollte. Zwei Blaupausen des Nürnberger Motors, deren Begleitschreiben ihn ausdrücklich als ,moteur pour automobiles sur routes 4 kennzeichneten, konnten endlich am 6. März 1898 durch das Münchner Büro Diesels an die Socidtd Frangaise des Moteurs R. Diesel nach Bar-le-Duc abgesendet werden; er wird dabei als Motor von 20 PS Leistung bezeichnet. In einem Schreiben vom 17. April 1898, das Dyckhoff an Diesel richtete, sagt dieser über das auch im Schriftwechsel oftmals berührte Problem des dieselbetriebenen Kraftwagens: ,La question est brulante en France 4 und schlägt vor, nach den vorliegenden Nürnberger Zeichnungen die Gußstücke für Zylinder und Steuerteile herstellen zu lassen, ohne erst weitere Berichte über den Fortgang der Versuche abzuwarten. Diesel selbst aber, der wohl schon Genaueres über die Schwierigkeiten weiß, mit denen man in Nürnberg zu kämpfen hat, schreibt mit eigener Hand eine Randbemerkung auf Dyckhoffs Brief, die dann in einem Schreiben des Münchner Büros vom 23. April 1898 an Bar-le-Duc zu folgender Bemerkung führt: ,Moteurs automobiles: Priere de ne rien faire avant que essais de Nuremberg soient terminds. Ce serait temps et argent perdu. 4 In einem in deutscher Sprache abgefaßten Schreiben vom 26. April 1898 wird dann zum selben Gegenstand nochmals betont: ,Wie ich Ihnen bereits am 15. d. M. depeschierte, ist es augenblicklich unmöglich, den Preis für den Nürnberger Automobilmotor anzugeben, da man nichts in die Öffentlichkeit gelangen lassen will, bevor die \ ersuche in Nürnberg abgeschlossen sind. 4 Und am 3. Mai 9 Uhr morgens schreibt Diesel mit eigener Hand folgende Depesche nieder, die an Dyckhoffs Mitarbeiter in Paris gerichtet ist: ,Machines Munich en marche aurai plaisir vous les montrer. Moteur automobile Nuremberg invisible actuellement. 4 Wenn auch in dieser Depesche nicht ausdrücklich gesagt wird, daß die Bemühungen, den Nürnberger DieseUKlose-Fahr- zeugmotor betriebsbrauchbar zu machen, bereits gescheitert waren, so war dies doch tatsächlich der Fall. 4 '
Wie sehr sich Rudolf Diesel auch dessen bewußt war, daß die Konstruktion Kloses sich keineswegs zu einem Fahrzeugmotor eigne, ergibt sich aus Vorschlägen, die er am 3. Juli 1899 in einer in Bar-le-Duc stattgehabten Aufsichtsrats-