Rudolf Diesel und der Automobilmotor.
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Sitzung der Sociöte Fran^aise des Moteurs R. Diesel in bezug auf „moteurs d’automobiles“ machte.
„Der Kraftwagenmotor von Nürnberg wurde nach besonderen Gesichts-* punkten gebaut", erklärte Rudolf Diesel damals: „die Bauart besaß zwei Zylinder, in jedem von welchen sich zwei gegenläufige Kolben bewegten. Von diesen Kolben waren die der Kurbelwelle zugekehrten mit dieser direkt durch Pleuelstangen verbunden, während die beiden Gegenkolben mit jener über einen Querbalken in Verbindung standen. Die Kurbelwelle hatte vier Kurbeln. Der Zweck dieser Anordnung war der Ausgleich der bewegten Massen und die Vermeidung schwingender Erschütterungen; diese Anordnung ist jedoch schon durch ihren Aufbau selbst so kompliziert und erfordert daher die Verwendung einer Menge von ebenfalls so komplizierter Mechanismen, daß der Motor dadurch für den Automobil is mus unverwendbar wurde, ohne dabei auch nur — wie dies die praktische Erprobung erwiesen hat — den Zweck der Unterdrückung der schwingenden Erschütterungen zu erreichen."
Im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen ging Rudolf Diesel von der Auffassung aus, daß der Automobilismus „in Deutschland bisher nur ein sehr schwaches Echo gefunden hat“, während sich „in Frankreich, England und Amerika dagegen alle Welt mit dem Automobilismus befaßt“. Man sollte diese Umstände ausnützen, nicht warten, bis das Problem eines Fahrzeug-Dieselmotors restlos gelöst sei, „sondern man sollte gerade das Gegenteil tun und von einer bekannten und erprobten Motorenbauart ausgehen und an dieser schrittweise und unmerklich sozusagen, ohne Rückschläge befürchten zu müssen, die verschiedenen Verfahrensarten und Dieselpatente praktisch anwenden.“ Es käme gerade Frankreich zu, dieses Problem aufzugreifen, meinte Diesel, und „ein Vorgehen, das diesen Richtlinien folgt, würde die Sociötö Fran- gaise in die Möglichkeit versetzen, vom Fleck w r eg und ohne kostbare Zeit zu versäumen, vorwärts zu schreiten, wobei sich die Möglichkeit ergeben würde, große Geschäfte abzuschließen und eine Erzeugung aufzunehmen, die den Einrichtungen des Werkes in Longeville in besonders hohem Maße entspricht.“, Diesel schlug also vor:
„1. Automobilmotoren zu konstruieren, deren Bauart unter jenen auszuwählen wäre, von denen bekannt ist, daß sie schon in großer Zahl in Verwendung stehen: diese Bauart müßte von Anfang an in Formen und Einzelheiten entwickelt werden, die eine Besonderheit unseres Unternehmens bilden würden;
2. an diesen Motoren folgerichtig und frei von Rückschlägen die Dieselverfahren und Dieselpatente und insbesondere auch das neue Zweitaktverfahren zur Anwendung zu bringen;
3. an diesen Motoren, wenn dies möglich ist, gewisse Vereinfachungen des mechanischen Aufbaues anzubringen, die von einer dritten Seite stammen, indem man sich mit diesen Stellen in Verbindung setzt“ 7 .
„Trotz dieses Appells, den Diesel damals an den Aufsichtsrat der Societe Frangaise des Moteurs R. Diesel richtete“ — dies ist in der ATZ abschließend festgestellt — „hören wir nichts darüber, daß Versuche, wie sie hier vorgeschlagen wurden, stattgefunden hätten. Auch in Deutschland, wo die Fachwelt über die
7 Nach der deutschen Übersetzung dieser von Rudolf Diesel am 25. Juni 1898 in Paris eigenhändig zu Papier gebrachten Rede, die Diesel vor der Aufsichtsratssitzung noch Dyckhoff bekannt gegeben hatte, in ATZ, 1941, Heft 1. S. 11 und 12.
Technikgeschichte, 12. Heft.
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