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Paul Siebertz
tatsächlich bei den Massen herrschende Interesselosigkeit an Kraftfahrzeugen schon längst hinaus war, verliefen in diesen Jahren wiederholte Anläufe, den Dieselmotor als Fahrzeugmotor zu benutzen, im Sande.“ Von jenen Nürnberger Bemühungen aus ist also zur Entwicklung des Fahrzeug-Dieselmotors nichts beigetragen worden.
Wohl machte Dyckhoff noch eine Zeitlang Versuche auf eigene Faust, entwickelte auch einen Gegenkolbenmotor, von dem er sich vorübergehend einen Erfolg erhoffte, aber ein Versuch, „den DYCKHOFFSchen Dieselmotor zum Antrieb von Schienenfahrzeugen oder gar von Straßenfahrzeugen zu benutzen, ist wohl niemals gemacht worden.“ Das einzige, was schließlich aus Dyckhoffs Bemühungen herauskam, war ein 1903 probeweise versuchter Antrieb eines Kanalbootes mit seinem Gegenkolbenmotor 8 ; sogar „einige bald nach der Jahrhundertwende aufgetauchte Projekte, Schienenfahrzeuge mit Dieselmotoren anzutreiben, mußten beim damaligen Stand der Dieseltechnik zunächst erfolglos bleiben“ 9 . Es war schon so, wie Rudolf Diesel es bereits im Sommer 1899 selbst erkannt hatte: „Die Versuche, die bis nun mit dem Dieselmotor gemacht wurden, haben bewiesen, daß die Einblasepumpe, die beim derzeitigen Stand für den Motor noch unerläßlich ist, bei Motoren so kleiner Abmessungen, wie die für die Automobile geeigneten, besonders große Schwierigkeiten beinhaltet.“
Weil es nun niemand zuwege gebracht hatte, diese Schwierigkeiten zu meistern, ging Rudolf Diesel im Jahre 1903 selber daran, einschlägige Konstruktionsversuche zu machen. Natürlich konnte auch er nach dem damaligen Stand des Maschinenbaues und der Kenntnis vom Wesen der inneren Gemischbildung auf das Einblasen des Brennstoffes durch den Verdichter und damit auf die Luftlade-Pumpe nicht verzichten; er kam deshalb auf den Gedanken, „die Luftladung im Arbeitszylinder um etwa 15 at höher als sonst üblich zu verdichten und einen kleinen Teil dieser höhergespannten Luft durch ein gesteuertes Ventil am Ende des Kolbenhubes in einen kleinen Behälter zu überschieben. Wenn nach einem kurzen Kolbenweg die Spannung im Hauptbrennerraum auf zirka 30 at gefallen war, wurde die überschobene, höher gespannte Luftladung des Zwischenbehälters zum Einblasen des Kraftstoffes benutzt. Hierdurch wurde der Hochdruckkompressor zwar vermieden, das Triebwerk des Motors mußte aber entsprechend dem höheren Verdichtungsenddruck stärker bemessen werden, und außerdem traten Düsen Zündungen auf, die die Düse verschmutzten und verbrannten“ 10 .
Trotz der Mißerfolge Diesels mit diesem „überscliubverfahren“ versuchte sein langjähriger Mitarbeiter in der Augsburger Maschinenfabrik, Lucian Vogel, es zu verbessern. Vogel lehnte sich an amerikanische und englische Versuche an und baute seine Motoren nach einem „Luftspei eher verfahren“,
8 Nach einer Mitteilung Professor M. Schröters, veröffentlicht in der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure. 1903. Heft 28. S. 1001.
9 Feststellungen, die nach Mitteilungen aus dem Archiv der M. A. N. beruhen, in ATZ, 1941, Heft 1, S. 11 und 12.
10 A. E. Thiemann, Fahrzeug-Dieselmotoren, S. 126, Berlin, 1929.