Aufsatz 
Hermann von Hoernes : (1858-1948) ; Luftschiffer, Flugtechniker und Luftfahrthistoriker / von Oskar Regele
Entstehung
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Oskar Kegele

fahrt setzte mit Veröffentlichungen 1885 ein und sie sollte erst mit der Österreich nach dem Weltkrieg 1914/18 auferlegten Luftabrüstung ihr Ende nehmen. Hoernes kam später zur Infanterie, erhielt finanzielle Förderung und Diensterleichterungen, ließ sich jedoch 1909 als Oberstleutnant in den Ruhestand versetzen, um sich aus­schließlich der Luftschiffahrt widmen zu können. Für Zwecke des praktischen Truppendienstes hatte er bis nun dieFeldausrüstung des Offiziers (1880, 1887), Das Legen des Oberbaues (1899) und dasFeldhandbuch für Truppenoffiziere (1904) erscheinen lassen, ein Beweis für die Schaffenskraft dieses universell begabten Offiziers. Im Weltkriege wieder aktiviert, wurde Hoernes in den Kämpfen an der Pili ca 1914 an der Spitze des Landwehr-Infanterieregiments Nr. 2 verwundet, nach seiner Genesung in fortifikatorischen und verschiedenen anderen Diensten in Süd­tirol, beim Armeekommando Dankl und beim Kommando der Süd Westfront, schließlich beim Divisionsgericht in Linz verwendet. Die Ernennung zum Obersten, die Verleihung des Militärverdienstkreuzes und die Erhebung in den erblichen Adelsstand durch Kaiser Franz Joseph I. waren der Lohn für die vielseitigen Leistungen, zu denen auch noch die Auslandmissionen der Jahre 1901 (Frankreich) und 1906 (Deutschland) zu rechnen sind 3 . Im Jahre 1922 erwarb Oberst Hoernes noch den Ingenieurtitel.

Die Laufbahn als Luftschiffer nahm ihren Anfang mit der Einteilung in die erste aeronautische Kommission, die unter Hauptmann Karl v. Sandner 4 1888 nach Frankreich, England und Deutschland entsendet wurde, um die Fortschritte der Luftfahrt in den Ballonfabriken Lachambre und Yon, im Militärlager zu Aider- shot und am Tempelhofer Felde zu studieren. Hermann Hoernes stand also tat­sächlich an der Wiege der österreichischen Luftfahrt, der er sich mit ganzem Eifer fortab widmete. Als 1890 die k. u. k. Militäraeronautische Anstalt in Wien zur Errichtung gelangte, kam auch Hoernes in den dort abzuhaltenden ersten militär­aeronautischen Kurs 5 .

Zur Vervollständigung seiner technischen Kenntnisse studierte Hoernes 1891 bis 1893 durch vier Semester Maschinenbau an der Technischen Hochschule sowie Meteorologie an der Universität Wien und praktizierte anschließend in den Witko- witzer Eisenwerken, in der Floridsdorfer Maschinenfabrik und bei Ruston in Prag.

Die Jahrzehnte, in denen Hoernes wirkte, gehörten der entscheidenden Ent­wicklungsepoche der Luftfahrt an, als nämlich dem Frei- (Kugel-) Ballon das Lenk­luftschiff folgte und gleichzeitig der Flugschwerer als die Luft, also das Flugzeug, seine erste Vollendung erreichte. In rund einem halben Jahrhundert vollzog sich dieser großartige Wandel, und es kostete harte und aufreibende Kämpfe, um aus der Unzahl von Ideen und Projekten schließlich das Flugzeug von heute zu entwickeln. An diesem Ringen hatte Hoernes stets denkwürdigen Anteil.

3Bericht über meine aeronautische Studienreise nach Deutschland, 1906.

4 Sandner wirkte als Pionieroffizier beim Bau der Arlberg-Bahn mit und starb als Feldinarschalleutnant.

5 Außer Hoernes absolvierten diesen Kurs auch Ing. Josef Trieb, als General der Erbauer der berühmten Karstwasserleitung, Josef Watzek von Bugstegen, als General Pionier-Gruppenkommandant 1914/18, Franz Hinterstoisser, später Oberst, der bahn­brechende österreichische Ballonfahrer, durch 11 Jahre Kommandant der Luftschiffer- Abteilung und der eigentliche Begründer des Militärflugwesens in Österreich-Ungarn.