42 Friedr. Binder und Max Rohlena: Zum Gedenken an Dr. Ing. h. c. Karl Wurmb.
hilferstraße, statt, an dessen Schluß Wurmb, nachdem er allen Festbeteiligten mit bewegten Worten herzlichst gedankt hatte, mit folgendem launig-fröhlichem Vers in oberösterreichischer Mundart endete:
„Da miißt’s reisen gar weit, bis daß find’s solche Leut, die an otana 2 Mann no a Ehr’ habn antan.“
Dieses Verslein charakterisiert wohl besser als eingehende Schilderungen die humorvolle und dabei gemütvolle Art der Lebenseinstellung Wurmbs.
Aber die vielen Aufregungen und widrigen Erfahrungen seines tatenreichen I^ebens hatten den willenstarken Mann doch allzu sehr erschüttert und seine widerstandsfähige Natur untergraben. Zweieinhalb Monate nach dem Feste vom 17. November 1906, und zwar am 30. Jänner 1907 nachts ereilte ihn der Tod, und am nächsten Tage erschien die Schreckensnachricht von seinem Hinscheiden in allen Zeitungen.
Jedoch die Freunde und ehemaligen Mitarbeiter Wurmbs ruhten nicht. Der Gedanke, dem Erbauer der Alpenbahnen ein würdiges Denkmal zu errichten, wurde emsig weiter verfolgt und insbesondere vom österreichischen Ingenieur- und Architekten verein in Wien tatkräftig gefördert. Zuerst dachte man das Denkmal nächst dem Tauerntunnel herzustellen: die Mehrheit entschied sich aber für Salzburg, die Alpenstadt, deren Ehrenbürger Wurmb gewesen ist und von der die Tauernbahn mit dem 8550 m langen Scheiteltunnel, dem letzten und schwierigsten Teilstück der von Wurmb geschaffenen neuen Alpenbahnen, ihren Ausgang nimmt. Am 13. Oktober 1913 fand die festliche Enthüllungsfeier des Denkmals statt. Und so mahnt nun dieses Standbild, das letzte Meisterwerk des Bildhauers Rathausky, am rechten Salzachkai errichtet, zum treuen Gedenken an die unsterbliche Schöpfung der neuen Alpenbahnen und an ihren unvergeßlichen Schöpfer Karl Wurmb, dessen Geburtstag sich am 18. September 1950 zum hundertsten Male jährte.
So wie der Name Ghega mit der Semmeringbahn, der Name Etzel mit der Brennerbahn, der Name Lott mit der Arlbergbahn auf alle Zeiten verknüpft bleibt, so wird auch der Name Wurmb mit den Alpenbahnen, die in den Jahren 1901 bis 1909 erbaut wurden, für immer verbunden bleiben.
Uns, seinen ehemaligen Mitarbeitern, obliegt die ehrenvolle Pflicht, das Andenken an Wurmbs Großtaten und segensreiches Wirken bei unseren Söhnen, Töchtern und Enkeln und bei der heranwachsenden technischen Jugend in lebendiger Erinnerung zu erhalten, damit es fortlebe bis in die fernsten Zeiten!
Schrifttum.
Zeitschrift des österr. Ingenieur- u. Architektenvereins 1906. Nr. 47, S. 658: 1907, Nr. 9, S. 151; 1913, Nr. 44. S. 728.
Geschichte der Eisenbahnen der österr.-ungar. Monarchie, V. Band, 1898—1908. Verschiedene Tageszeitungen 1905, 1906, 1907.
(abgetanenen).