Aufsatz 
Baugeschichtliche Bilder von der Arlbergbahn / von K. Melicher
Entstehung
Seite
43
Einzelbild herunterladen

Baugeschichtliche Bilder von der Arlbergbahn.

Von

Ing. Dr. K. Melicher.

Mit 5 Abbildungen.

Wenn man in jüngster Zeit in der Presse des Inlandes wie in der der benach­barten Länder bisweilen vom Ausbau des Hochrheins als Schiffahrtsstraße und der Ausgestaltung des Bodensees zum größten Binnenhafen Europas liest, so denkt man unwillkürlich an die Arlbergbahn als eine der bedeutendsten Zufahrtsstraßen.

Im folgenden sei daher einiges Interessante vom Bau dieser in den Jahren 1881 bis 1884 zwischen Innsbruck und Bludenz hergestellten Bahnlinie berichtet.

Bereits im Jahre 1847 war der Präsident der Handelskammer in Feldkirch K. Gana.hl für eine Überschienung des Arlberges eingetreten und hatte auch ein Projekt hierfür ausarbeiten lassen, dem aber kein Erfolg beschieden war.

Im Jahre 1871 erhielt die Bauabteilung der k. k. Generalinspektion der öster­reichischen Eisenbahnen den Auftrag, ein generelles Projekt für eine Lokomotiv- eisenbahn von Bludenz nach Innsbruck zu verfassen. Sie gab hierbei von den beiden möglichen Trassen über das Zeinisjoch (durch das Montafon- und Paznauntal) oder über den Arlberg (durch das Kloster- und Stansertal) der letzteren den Vorzug. Hierbei wurde auch die Ausführung eines längeren Alpentunnels vorgesehen. Aus bau- und betriebstechnischen Gründen entschied man sich im Jahre 1872 im Handels­ministerium unter fünf Varianten für die Zweigleisigkeit und tiefste Lage des hierbei projektierten großen Tunnels (12,4 km Länge). Die staatsfinanzielle Lage des Jahres 1873 machte aber die ernsten Absichten der Regierung zur Inangriffnahme der Bauarbeiten zunichte.

Die endgültige Entscheidung über die zweckmäßigste Linienführung wurde späterhin noch erschwert, als Sektionschef v. Nördling im Jahre 1875 ein so­genanntes billiges Projekt einreichte, das einen kurzen, nur 6740 m langen ein­gleisigen Tunnel in über 1400 m Seehöhe in Vorschlag brachte. Die öffentliche Meinung ließ aber die Frage nicht mehr zur Ruhe kommen und im Jahre 1879 mußte die Regierung der Errichtung der so schwer entbehrten OstWest-Ver­bindung der Alpenländer ernstlich nähertreten.

Unter den beiden sich schließlich gegenüberstehenden Projekten, dem Nörd- LiNGschen mit dem hochliegenden eingleisigen Tunnel und dem umgearbeiteten offiziellen Projekt mit dem tiefliegenden zweigleisigen Tunnel von 10.250 m Länge fiel bei einer im Oktober 1879 einberufenen Enquete schließlich die Wahl auf das

Technikgeschichte, 12. Heft.

4