Aufsatz 
Baugeschichtliche Bilder von der Arlbergbahn / von K. Melicher
Entstehung
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Baugeschichtliche Bilder von der Arlbergbahn.

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Gelände ebenso notwendig, wie eine rasche Aufeinanderfolge zahlreicherer kleinerer Tunnels.

Von diesen Kunstbauten seien als nennenswerteste nur erwähnt: Die Innbrücke bei Landeck, der die tiefeingerissene Schlucht des Paznauntales in einer Höhe von 87 m über der Talsohle überquerende 250 m lange Trisannaviadukt mit seinem eisernen Tragwerk von 120 m Stützweite (Bild 1), die Wäldlitobelbrücke bei Klösterle mit einem Steinbogen von 41 m Stützweite und der Schmiedtobelvia­dukt. Insgesamt mußten 76 Brücken und 1167 m Tunnel in den beiden Berg­strecken hergestellt werden.

Um sich eine Vorstellung von der Größe und dem Umfang der in der gesam­ten Baustrecke von Inns­bruck bis Bludenz bewältig­ten Arbeit machen zu kön­nen, ist es nicht uninteres­sant zu erwähnen, daß die Höchstzahl der verwen­deten Arbeitskräfte im Juni 1883 14 400 betrug, wovon im Arlbergtunnel allein 4700 Mann in Ver­wendung standen. Zur Her­stellung desselben wurden rund 4 Millionen Arbeit s- schichten auf ge wendet.

Als Sektionsbauführer der Tunnelbausektionen in St. Anton und Langen seien noch die Namen Ing. K. Wagner, des nachmaligen Direktors der Staatsbahn- direktion Innsbruck, und Ing. K. Wurmb, des nachmaligen Erbauers der Tauern­bahn, genannt.

Die Westrampe zwischen Langen und Bludenz besitzt mit ihrer maximalen Steigung von 31,4% nicht nur die größten NeigungsVerhältnisse im Zuge der Arl­bergbahn, sondern auch unter sämtlichen Alpenbahnen überhaupt. Die Westrampe ist aber nicht bloß wegen ihrer Anlageverhältnisse interessant, sondern auch wegen ihrer späteren Bedeutung für den elektrischen Betrieb der Bahn. Der Bau dieser an der nördlichen Lehne des Klostertales ansteigenden Strecke verursachte technisch die größten Schwierigkeiten. Ja selbst bis in die jüngste Zeit fordert dieser Teil der Strecke wegen seiner Lawinengänge durch Aufforstung und Lehnenverbauung sowie durch die Errichtung von umfangreichen Schutzbauten und teilweiser Linien­verlegung ständig Ergänzungsarbeiten.

Wenn man zur Illustration der vorangeführten Bauschilderung in die Bau­skizzenmappe der von der Bauunternehmung Anton Kiss, Michael Bistak & Karl Pollak in den Jahren 18821884 im Baulos XVII und XVIII zwischen Dalaas und Braz hergestellten Kunstbauten Einblick nimmt, so kann man sich eine Vor­stellung machen, mit welch einfachen Baueinrichtungen und unter welch großen

Bild 1. Trisannabrücke.

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