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K. Melicher: Baugeschichtliche Bilder von der Arlbergbahn.
Tage ruht der Baubetrieb für die Arlbergbahn nicht, denn wieder regen sich im Klostertal werksame Hände, wieder ist ein Kraftwerk im Entstehen, das ganz in den Fels eingebaut werden wird, das Kraftwerk Braz. Der immer mehr zunehmende Bahnbetrieb fordert eine neue Energiequelle.
Diese zweite Periode stolzer Ingenieurleistungen ist innig verknüpft mit dem Namen Paul Dittes, des Pioniers der Elektrifizierung der österreichischen Eisenbahnen. Sektionschef Dipl.-Ing. Paul Dittes wurde als Sohn des bekannten Schulmannes Dr. Friedrich Dittes am 16. Juli 1871 in Wien geboren, studierte Maschinen bau an der Technischen Hochschule in Wien und absolvierte diese mit ausgezeichnetem Erfolg. Nach vorübergehender Tätigkeit als Ingenieur bei der Siemens & Halske A. G. und den Siemens-Schuckert-Werken in den Jahren 1895—1907 trat er in den Dienst der österreichischen Staatsbahnen. Ihm oblag das Studium und die Ausarbeitung von Projekten für die Elektrifizierung verschiedener Teilstrecken des österreichischen Eisenbahnnetzes. Bei Errichtung des Elektrifizierungsamtes der deutschösterreichischen Staatsbahnen im Jahre 1919 wurde er zu dessen Direktor ernannt und setzte seine Tätigkeit als Leiter des Elektrifizierungsbaues auch nach Errichtung der Generaldirektion der Österreichischen Bundesbahnen weiterhin fort.
An der Spitze eines Stabes ausgezeichneter Mitarbeiter ist es trotz großen technischen und finanziellen Schwierigkeiten ihm zu verdanken, daß die elektrische Zugförderung auf den Strecken von Salzburg bis zur Schweizergrenze und auf der Salzkammergutlinie von Stainach-Irdning nach Attnang-Puchheim in einer Gesamtlänge von 623 km eingeführt wurde. Ende 1928 schied Dittes infolge Meinungsverschiedenheiten, die sich im Zusammenhang mit der Frage der Fortsetzung der Elektrifizierung ergaben, von seinem Posten und trat 1929 in den Ruhestand. Er starb am 5. März 1940 in Wien nach kurzer schwerer Krankheit.
Gleichwie der Name Lott wird der Name Dittes als Spitzenträger höchster Ingenieurleistung mit dem österreichischen Eisenbahnwesen verknüpft bleiben.
Der Weitblick dieser beiden Männer, die es unter Einsatz höchsten persönlichen Verantwortungsbewußtseins und ohne feststehende Grundlinien verstanden haben, unbeschwert von ein engenden Vorschriften die durch die schwierigen örtlichen Verhältnisse gegebenen Aufgaben zu lösen, ist es zu verdanken, daß der Arlbergpaß mit einem den Anforderungen des Bahnbetriebes völlig entsprechenden Schienenstrang überschritten und so eine wichtige Verkehrsstraße bis an die Westgrenze Österreichs geschaffen wurde, die nicht nur in damaliger Zeit bereits notwendig war, sondern auch für die Gegenwart und in der Zukunft eine der wichtigsten Pulsadern der österreichischen Wirtschaft bildet.
Quellen und Schrifttum.
Biographische Angaben über Sektionschef Dipl.-Ing. Paul Dittes aus dem Personenarchiv des Forschungsinstitutes für Geschichte der Technik in Wien.
Röll, Karl : Enzyklopädie des Eisenbahnwesens, Wien ...
— Denkschrift der Staatsbahndirektion Innsbruck.