Kitzbühel, die alte Bergstadt.
Von
Dipl.-Ing. Erich Kurzel-Runtscheiner.
Mit 5 Abbildungen.
Die Stadt Kitzbühel und ihr Bergbaurevier.
Kitzbühel führt ein „redendes Wappen“: Ein „steigendes Gamskitz“ schreitet über die vom Volksmund als „Bühel“ bezeichneten Hügel hin, auf denen bereits im vierzehnten Jahrhundert, in dem dieses Stadtwappen entstanden sein mag, die Siedlung lag, die schon 1271 Stadtrecht erhielt, und jener Bergbau auf Edelerze umging, dem sie Bedeutung und Wohlhabenheit verdankte. So scheint der Name der Stadt, in deren Umgegend es in jener Zeit viele Gemsen gab, auf das selbstverständlichste erklärt und jeder weitere Versuch einer Deutung überflüssig. Und doch tauchen plötzlich Überlegungen auf, die andere Möglichkeiten der Entstehung des Namens beinhalten.
So wird von einem im zwölften Jahrhundert lebenden Ministerialen Chizzo berichtet, in dessen Herrschaftsbereich die Örtlichkeit lag, wo damals die mittelalterliche Siedlung entstand. Vielleicht gehört aber die Lautfolge „Chizzo“ — und nicht nur diese, sondern auch jenes „Rero“, das sich in der Bezeichnung Röhrer- bühel verbirgt, von dem bald die Rede sein wird, und „Kelcho“, das wohl dem neuzeitlichen Kelchalpe zugrunde liegt, jenem Platz, wo in der Gegend von Kitzbühel urzeitlicher Bergbau umging — zu den Urresten jener längst erloschenen Sprache, die den Bewohnern des vorarischen Europa gemeinsam war*. Diese Beziehungen würden dann zu jenen „Sprungsteinen für unsere Vorstellung einer vorgeschichtlichen europäischen Welt“ zu zählen sein, die uns diesen Erdteil in traumhafter Ferne als „riesiges einheitliches ethnographisches Festland“, als „von einem einzigen Volk bewohntes Urgebilde“ sehen lassen 18 .
Unter den Resten urzeitlichen Bergbaues, die uns bekannt sind, gehören jene der Kelchalpe bei Kitzbühel, wo die Alten nach Kupfererzen schürften, neben den Bauen im Gebiet von Mühlbach-Bischofshofen zu den immer wieder genannten Glanzstücken in der Reihe der archäologischen Denkmäler des Ostalpenlandes 13 . Das urzeitliche Bergbaugebiet Kelchalpe ist auf einem den Kitzbüheler Alpen zugehörenden etwa 5 km langen Höhenzug gelegen (Bild 1). Die Spuren der Schürf -
* Auch die in der Umgegend von Kitzbühel vorkommenden Bezeichnungen Kaps und Götschen gehören augenscheinlich zu diesen Sprachresten; Götschen, das übrigens auch anderswo in den Ostalpen auf tritt, bedeutet stets eine Stelle urgeschichtlichen Bergbaues.