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Erich Kurzel-Runtscheiner
tätigkeit der Alten breiten sich in einem hochliegenden flachen Sattelgelände aus. Als „Kelchalpe“ im engeren Sinne wird das Gebiet westlich dieser Sattelregion bezeichnet, während das im Osten „Bachalpe“ genannt wird; beide bilden das Bergbaugebiet Kelchalpe, dessen Lagerstätten auch vom fünfzehnten bis zum Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts in Abbau genommen worden sind. Hier ging auch der urzeitige Bergbau um. Dessen obertägige Spuren bestehen fast ausschließlich aus Scheidehalden, während Pingen nur spärlich nachweisbar sind. Auch die Reste einer Siedlungsstelle, die im Zusammenhang mit der Aufbereitungsarbeit gestanden haben dürfte, wurden festgestellt. Die zeitliche Einordnung der
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Bild 1. Kitzbühel, im Hintergrund die Kelchalpe.
Funde ergibt die späte Bronzezeit. Anhaltspunkte für das Entstehen oder das Ende dieses Bergbaubetriebes liegen nicht vor; doch ist anzunehmen, daß er bald nach dem Beginn des ersten Jahrtausends v. Chr. aufhörte 13 .
Besonders bedeutsam sind die vielen im Gebiet der Kelchalpe gemachten Holz- funde. Sie bestehen aus zahlreichen Resten von Geräten für die Arbeiten ober Tag und für die Arbeiten in der Grube sowie aus Holzgegenständen für den täglichen Gebrauch. Daneben wurden sogenannte Kerbhölzchen gefunden. Sie sind mit eingeschnittenen einfachen Zeichen versehen, wie sie sich in Tirol als Sippenzeichen oder als Hausmarken hier und da bis auf den heutigen Tag erhalten haben; von diesen wissen wir, daß sie, die weit älter sind als Wappenbilder, schon in vorgeschichtlicher Zeit verwendet wurden. Ursprünglich glaubte man in diesen Kerbhölzchen Personenmarken zu sehen, die der Belegschaftskontrolle dienten; der gefahrvolle Betrieb in der Grube würde eine derartige Maßnahme verständlich machen. Dieser Deutung widerspricht es aber, daß einige der Zeichen mehrmals Vorkommen. Daher nimmt man nun an, daß die Kerbhölzchen für bestimmte in das Gebiet des Kultus reichende Handlungen verwendet wurden: Diese Kelchalpenfunde sind also w T ohl „Loshölzer“, wobei die von Tacitus, cap. 10, überlieferte Art des Lösens am wahrscheinlichsten ist. Die Zeichen auf diesen Kerbhölzchen scheinen zum ältesten Bestand der Abbre-