Kitzbiihel, die alte Bergstadt.
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viationen zu gehören. Aus ihnen ergibt sich der Schluß, daß die Germanen oder die Illyrier, zu denen die urzeitlichen Bergleute der Kelchalpe gehörten, schon während der Bronzezeit eine Reihe von abstrakten Zeichen entwickelt hatten, denen Lautwerte entsprachen. Die Runen, in die die Zeichen auf den Kelchalpenfunden einzuordnen sind, wären dann auf eine sehr alte Reihe von Schriftzeichen zurückzuführen 18 .
Nachdem in der Urzeit der Bergbau zum Erliegen gekommen war, ruhte dieser in der Gegend um Kitzbühel durch mehr als zwei Jahrtausende. Denn für die Angabe, daß die mittelalterliche Bergbautätigkeit hier schon 992 oder gar in vorkarolingischer Zeit aufgenommen worden wäre, fehlt jede urkundliche Begründung 5 - 8 . Erst anfangs des fünfzehnten Jahrhunderts zeigen die Belehnungsbücher der damals bayerischen Herrschaft Kitzbühel einen regen und für die damalige Zeit ertragreichen Bergbau, der von Münchner Gewerken betrieben wurde. In dieser Zeit entstanden die Neuschürfe auf Kupfer am Schattberg und auf Silber und Kupfer am Sinnwell. Besonders begünstigt wurde diese bergbauliche Tätigkeit auch durch die günstige Verkehrslage an der Straße, die einerseits von Ellmau, anderseits bei Söll aus dem Inntal ansteigend, höchstwahrscheinlich über den Astberg führte und von hier über Reith, Schloß Münichau, Seebichl und Schloß Lebenberg Kitzbühel erreichte, um von hier über Schloß Kaps nach dem Paß Thurn und über einen der Tauernwege nach Süden weiterzuziehen 7 .
Um 1483 erhielt Kitzbühel durch den Herzog von Bayern eine neue Bergordnung 8 . 1505 aber konnte Kaiser Maximilian I. die Herrschaften Kitzbühel und Rattenberg, die damals zu den ergiebigsten Berg- und Hüttenrevieren gehörten, am Ende des Bayrischpfälzischen oder Landshuter Erbfolgekrieges als einst zur gefürsteten Grafschaft Tirol gehörende Landesteile in Besitz nehmen. Die ersten Jahre der neuen Herrschaft waren jedoch für den Kitzbüheler Bergbau wenig günstig, obwohl der Kaiser, der stets ein Förderer des Bergbaues war, 1507 für fünf Jahre den Silber Wechsel nachsah. Ein 1516 ausgebrochener Knappenaufstand und der Brand der herrschaftlichen Schmelzhütte bei Schloß Kaps 1517 beeinträchtigten zunächst den Eitrag. Bald besserten sich aber die Verhältnisse, wozu auch beitrug, daß spätestens 1534 der Erbstollen zur Gewältigung der Gr üben wässer des Schattberges fertig wurde. Er ist etwa 1500 m lang; sein Ausfluß in die Kitzbüheler Ache flußaufwärts der Stadt am ,,Högl“ ist noch heute sichtbar. Auch wurde 1536 in Pillersee ein Eisenbergwerk mit Schmelzhütte neu errichtet. Doch blieb der Kitzbüheler Bergbau trotz seiner vielen nachweisbar meist im Stollenbau betriebenen Gruben wenig ergiebig 5 . 8 . Als man aber 1540 in einer Gegend, in der man schon früher mit geringem Ertrag geschürft hatte — hier gefundene Reste und auch die alte Form des Namens „Rerobühel“ deuten auch auf urzeitigen Bergbau — die Teufe erschloß, wandelte sich dies wie mit einem Zauberschlag.
Das Ereignis, das diesen Umschwung herbeifühlte, ist die später von der Sage umrankte „Erfindung“ der Silberschurfstätte am Röhrerbtihel: 1539 träumte am Rückweg von einem Kirchweihfest drei „wohlbezöchten Bauern“, Michel Rainer, Christian Gasteiger und Georg Brücker, als sie sich auf diesem Bühel, von der Nacht überfallen, unter einem Kirschbaum zum Schlafe niedergelegt hatten, der gleiche Traum von einem großen Schatz, der unter ihnen läge. Nach dem Erwachen erzählten sie sich ihre Träume, „schritten zur Aufscharrung der Erde und entdeckten