Aufsatz 
Kitzbühel, die alte Bergstadt / von Erich Kurzel-Runtscheiner
Entstehung
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Erich Kurzel-Runtscheiner

sogleich die großen Erzlager 6 . Tatsache ist, daß Gasteiger einem auf dem Hof ,,zu Gasteig im Außertal von Mareit bei Sterzing hausenden Bauerngeschlecht angehörte, dessen Mitglieder bald darauf als Bergleute und Gewerken in Tirol und namentlich im Kitzbüheler Revier tätig waren. Hieraus kann geschlossen werden, daß alle drei Entdecker des reichen Bergsegens Bergleute und nicht Bauern gewesen sind; dies insbesondere auch darum, weil die Kitzbüheler Belehnungsbücher der Jahre 15401560 wenigstens den einen von diesen, Michel Rainer, als neubelehnten Gewerken aufführen 5 .

Das 1556 geschriebeneSchwazer Bergbuch 1 14 berichtet von bloß einemalten Ertz-Knappen, derbei zwo Klafftern, durch die Tann roden, auf die grub körnen. Gleich unter dem Rasen wurde schon das reichste Erzlager gefunden, das durch die Art seiner Lagerung zwar zum Schachtbau nötigte, aber eine bisher unbekannt reiche Ausbeute gab.Nach solchem sein in wenig Zeit herumb etlich hundert grueben, unnd gepeuw aufgeschlagen, darnach sein diese gepeuw zusamen vertragen und daraus Zechen gemacht worden 1 . Kaum w r ar es am Röhrerbühel, wo der Berg­bau sofort durch Zuzug der von allen Seiten herbeiströmenden Bergleute und Gewerken gewaltig ins Breite gegangen war, durch die zwangsweise Zusammen­legung der Grubenmaße zu einem geregelten Betrieb gekommen, als 1546 der von den Schmalkalden unternommene Einfall nach Tirol die Existenz sowohl der Kitz­büheler als auch manch anderer tirolischer Bergbaue in Frage stellte. Denn die vielfach der protestantischen Religion anhängenden Gewerken wurden als Ver­bündete der Eindringlinge verdächtigt, woraus das Recht abgeleitet wurde, alles in ihrem Besitz befindliche Silber und Kupfer in Beschlag zu legen. Man begnügte sich dann allerdings, um die baulustigen Gewerken nicht zu verlieren, mit dem Zwange, alles Silber in der Haller Münze einzulösen. Das Mißtrauen der katholischen Landesherren gegen die ketzerischen Gewerken und Knappen erlosch aber von damals an nicht mehr. Es führte 1575/76 zu einer Verfolgung protestantischer Diener der Gewerken und protestantischer Bergleute durch Erzherzog Ferdinand II. von Tirol, die übrigens nicht nur in Kitzbühel allein, sondern in ganz Nordtirol für den gesamten Bergbau von nachhaltigstem Schaden war 5 .

Seit dem Bestand des Bergbaues am Röhrerbühel hatte der Tiefbau bedeutende Fortschritte gemacht (Bild 2). Der hier seit 1540 im Lauf von 15 Jahren abgeteufte Heilig-Geist-Schacht galt damals, mit rund 900 m, als der tiefste der Erde. Der Gesellen-Schacht war 1559 etwa 500 m, 1567 schon etwa 700 m tief. Am Röhrer­bühel stand auch dieböhmische Kunst, eine mit Kehrrad betriebene Förder­maschine, die derWasserwerchmayster Wolfgang Lewscher (Lascher) um 1550 errichtet hatte. Sie förderte an vorarlbergischen Hanfseilen Erz in Holzkübeln und Grubenwasser in Säcken aus Ochsenleder zutage 1 - 9 . Trotz dieser Schwierig­keiten des Abbaues erzielten die Gewerken 15441558 in den elf Zechen des Röhrer- bühels einen Reingewinn von über 700.000 Gulden. König Ferdinand bezog von dort in den ersten Jahren seiner Regierung ein Jahreseinkommen von 15000 Gulden 8 .

Über denAbfall des Bergbaues am Röhrerbühel und im Kitzbüheler Revier überhaupt berichtet Joseph von Sperges in seinem 1765 erschienenen WerkTiro- lische Bergwerksgeschichte 3 , nachdem er jenenin einem vor andern gesegneten Zustande gezeigt, wie folgt:dieser dauerte auch unter Erzherzog Ferdinanden,