Aufsatz 
Kitzbühel, die alte Bergstadt / von Erich Kurzel-Runtscheiner
Entstehung
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Erich Kurzel-Runtscheiner

gab das Werk bis 1750 wieder Ausbeute. Bald aber überwogen die Verluste so sehr, daß man sich endlich zur Einstellung entschließen mußte. 1774 befahl eine Hof­resolution die Auflassung und die Röhrerbüheler Gruben wurden nach einer Betriebs­dauer von 234 Jahren gänzlich totgesprochen 5 - 6 - 8 > 9 - 12 . Kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges wurde der Versuch unternommen, den Bergbau an der einst so ergiebigen Stelle wieder aufleben zu lassen. Infolge des Krieges mußten aber die Arbeiten, die Erfolge versprachen, wieder eingestellt werden. 1938 wurde der Röhrer- bühel neuerlich, diesmal unter Anwendung modernster geophysikalischer Methoden, untersucht. Die Ergebnisse sollen günstig gewesen sein; der Ausbruch des zweiten Weltkrieges 1939 vereitelte aber jede Möglichkeit der Auswertung. Auch die um 1900 noch in Betrieb gestandenen Bergbaue des Kitzbüheler Reviers waren in­zwischen aufgegeben worden, so 1906 der staatliche Kupferbergbau am Schattberg und 1926 der staatliche Kupferbergbau Kupferplatte in Jochberg.

Trotzdem ist Kitzbühel heute ein aufblühender Ort. Dessen Wiederaufstieg nahm nach langem durch das Erliegen des Bergbaues verursachtem Stillstand vor etwa 50 Jahren seinen Anfang. Damals begann Kitzbühel als Fremdenoit bekannt zu werden. Der Besuch belebte sich seit der Eröffnung des Grandhotels 1903 von Jahr zu Jahr. Weitere Förderung brachte der Bau der Seilschwebebahn auf den Hahnenkamm 19251928 und die schon in den letzten Jahren des neunzehnten Jahrhunderts gemachte Entdeckung, daß Kitzbühel inmitten eines vortrefflichen Skigeländes liegt. Eine eben (1950) gebaute Seilschwebebahn auf das Kitzbüheler Horn wird die Anzugskraft des um die Stadt gelegenen Skigeländes noch erhöhen. Auch stehen den Wintergästen mehrere Skilifts sowie seit den Weihnachtstagen 1950 eine mit Natriumdampflampen erleuchtete Nachtpiste zur Verfügung, die die dritte Europas ist und über eine Höhendifferenz von 260 m führt.

Trotz des neuzeitigen Lebens, das heute die alte Bergstadt und ihre Umgebung erfüllt, hat diese wie wenige andere ihr aus Jahrhunderten überkommenes Gesicht zu wahren gewußt. Von kaum einem der alten Städtchen des Alpenlandes kennt man aber auch die Baugeschichte so genau wie jene Kitzbühels, die durch authen­tische alte Abbildungen belegt ist. Die älteste bekanntgewordene Stadtansicht ist jene des Schwazer Bergbuches von 1556. Schon auf dieser erkennt man die auf dem nach drei Seiten steil abfallenden Hügel gelegene Stadt der Bürger und des Berggerichtes, zu deren Füßen sich die ge werbfleißigen Viertel ausbreiten und sich die Kraft der Wasserläufe zunutze machen (Bild 3). Damals wie heute stand in­mitten der Stadt die sehr alte, 1365 erstmalig erwähnte Katharinenkirche, deren Turm noch bis 1875 als Wachtturm der Stadt diente; in ihm erklingt nun das 1950 eingebaute Glockenspiel. Außerhalb des Mauerringes der Stadt und von dieser durch einen heute überbrückten Taleinschnitt getrennt, ist der befestigte Friedhofs­bezirk zu sehen. Hier steht die Stadtpfarrkirche zum hl. Andreas, die schon 1180 genannt wird. Sie erhielt durch einen 1435 begonnenen Umbau ihre heutige Gestalt. Leider wurden bei der 1660 vorgenommenen Barockisierung des Inneren der Pfarr­kirche die dort angebrachten Epitaphien, unter denen sich mehrere von den Ge­werkenfamilien gestiftete befanden, entfernt; sie sind heute nicht mehr auffindbar. Auch die in den Gewölbefeldern angebrachten Wappen der Gewerken verschwanden damals. Mitten im Friedhof steht auch der mächtige, 1566 aus älterem Bestand