Österreichs Beitrag zur Lumineszenzanalyse und Fluoreszenzmikroskopie. 65
italienischen Übersetzung erhalten ist. Weitere Berichte über derartige Ersehen nungen liegen unter anderem von A. Kircher und F. Grimaldi vor.
Es ist verständlich, daß eine große Zahl von Naturwissenschaftlern diese Erscheinungen studierte. Es dürfte aber wenig bekannt sein, daß das Verhalten derartiger Substanzen unter willkürlich geänderten Verhältnissen bereits sehr frühzeitig untersucht wurde, und z. B. J. W. Goethe bereits 1792 die fluoreszenzlöschende Wirkung der langwelligeren (roten) Strahlen des Sonnenspektrums beobachtete und beschrieb (Brief an den Anatomen Sömmf.ring vom 2. Juli 1792), worauf R. Winderlich hinweist, ferner Nathanael Hulme, der den Einfluß von Hitze und Kälte an Phosphoren behandelt, und schließlich J. W. Ritter, der kurz nach Bekanntgabe seiner Entdeckung der ultravioletten Strahlen die chemischen Einflüsse der verschiedenen Spektralbereiche weiter untersuchte.
Die ersten systematischen Untersuchungen über die physikalischen Gesetzmäßigkeiten derartiger, bis dahin nur in beschreibender Form geschilderten Erscheinungen führte George Gabriel Stokes (geboren am 13. August 1819 in Skreen, Irland, gestorben am 2. Februar 1903 in Cambridge) durch. Da er seine Arbeiten auch in führenden deutschsprachigen Zeitschriften (Annalen der Physik und Chemie, herausgegeben von J. C. Poggendorff) veröffentlichte, lenkten diese rasch die Aufmerksamkeit mitteleuropäischer Forscher auf dieses Gebiet.
Während, wie bereits erwähnt, die ältesten Forscher den ultravioletten Teil des Sonnenspektrums zu ihren Untersuchungen heranzogen, traten von der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts an auch künstliche Strahlungsquellen in den Kreis der hier zu erörternden Betrachtungen, wobei allerdings festgehalten werden muß, daß bereits Stokes auch durch elektrische Funken und den elektrischen Lichtbogen Fluoreszenzerscheinungen hervorrief und weiters durch Verwendung von blauem Kobaltglas zur Ausfilterung der die Beobachtung störenden langwelligen Spektralanteile grundlegende Anhaltspunkte gab.
. Einer der ersten, der eine starke ultraviolette Strahlung bei der Schwefelkohlenstoff-Flamme feststellte, war Freiherr Clemens Heinrich Lambert von Babo, Dr. Med., Privatdozent an der Universität Freiburg im Breisgau, der 1855 in Poggendorffs Annalen der Physik und Chemie hierüber berichtete und bereits ein Jahr später gemeinsam mit Johann Heinrich Jakob Müller, Professor der Physik in Baden-Baden, auf die Möglichkeit der Fluoreszenzerregung mittels einer Schwefelkohlenstofflampe hinwies. Der später noch eingehender zu behandelnde Wiener Hochschulprofessor Dr. Franz Joseph Pisko bringt 1861 eine Abbildung dieser Lampe, die tieferstehend wiedergegeben ist.
Das Wesen derselben ist dadurch gekennzeichnet, daß in den Schwefelkohlen-
Schwtfelkohltnsioff
Bild 2. Schwefelkolilenstofflampc nach Babo. 1855.