Aufsatz 
Österreichs Beitrag zur Lumineszenzanalyse und Fluoreszenzmikroskopie / von Franz Dangl
Entstehung
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Österreichs Beitrag zur Lumineszenzanalyse und Fluoreszenzinikroskopie. 67

bei dem die Schrift dem gelben Glase zugewendet wird, läßt diese unter sonst gleichen Bedingungen nur äußerst matt erscheinen.

Wenn auch später mit fortschreitender Entwicklung der Glas- und Filter- Technik an Stelle des Kobaltglases bessere UV-Paßfilter traten, war der kon­struktive Grundgedanke dieses kleinen Gerätes so zweckentsprechend, daß nach vielen Jahrzehnten, allerdings ohne Angabe der ursprünglichen Unterlagen, gleichartige Erzeugnisse beschrieben, in den Handel gebracht, ja sogar patent­rechtlich geschützt wurden. (P. W. Danckwortt, Lumineszenz-Analyse im filtrierten ultravioletten Licht, Akad.

Verlagsges. 1940, pag. 8, J. A. Radley and Julius Grant, Fluorescence An­alysis in ultra-violet light, Ghapinan and Hall Ltd., 1948, pag. 22 und 24.)

Kurz nach der erwähnten Natur­forscher-Tagung in Wien traten drei österreichische Wissenschaftler teils mit Publikationen, teils mit Vorträgen über Fluoreszenzerscheinungen vor die Öffentlichkeit und wirkten damit weit über die Grenzen ihrer Heimat hinaus bahnbrechend und anregend. Es waren dies W. J. Grailich, Fr. J. Pisko und V. Pierre.

Wilhelm Joseph Grailich wurde am 16. Februar 1829 in Preßburg ge­boren. Er studierte am k. k. polytech­nischen Institute in Wien Mathematik und Optik. Kaum 23 Jahre alt, legte

er im Dezember 1852 der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien seine erste Arbeit vor, der im Februar und Juni 1853 weitere folgten. Im März 1855 habilitierte er sich als Privatdozent für Kristallographie und höhere mathematische Physik, erhielt die Stelle als Custos- Adjunct am k. k. Hof-Mineraliencabinet und wurde bereits 1856 zum außerordentlichen Professor der höheren Physik ernannt. 1857 ernannten ihn die königl. Akademie der Wissen­schaften in München und 1859 die kais. Akademie der Wissenschaften in Wien zu ihrem korrespondierenden Mitglied.

Im März des gleichen Jahres erkrankte Grailich an Tuberkulose, der er am 13. September 1859 erlag.

Das als Widmung seiner Schüler von Prof. Schenk und R. Gaupmann ge­schaffene Porträt zeigt Bild 4.

Seine UntersuchungenÜber Fluoreszenz veröffentlichte er zunächst 1857 im zweiten Jahrgang derVerhandlungen des Vereins für Naturkunde zu Preßburg, doch sind sie auch gleichlautend in seinem BucheKrystallographisch-Optische Untersuchungen enthalten. Abgesehen davon, daß diese Arbeit die erste syste­matische Untersuchung der Fluoreszenzerscheinungen in mineralogiseh-kristal-

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Bild 4. Wilhelm Joseph Grailich. (18291859.)