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Franz Dangl
Tätigkeit der Ausgestaltung der Laboratorien und der Entwicklung geeigneter Vorlesungs-Apparaturen.
Mit dem Zusammenbruch der Monarchie fand diese Tätigkeit ein jähes Ende und er mußte als letzter Kommandant die Schule liquidieren. Dem regen, den Naturwissenschaften innig verbundenen Mann lag es nicht, untätig als Pensionist dahinzudämmern, er widmete sich neuerlich physikalisch-chemischen Studien, die ihn auf das Gebiet der Fluoreszenz führten, das ihm durch Goppelsröders Untersuchungen besonders reizvoll erschien.
In mühevoller Kleinarbeit schuf Haitinger aus dem Nichts die erforderlichen Grundlagen, zunächst makroskopische fluoreszenzanalytische Arbeitsmöglichkeiten.
Zunächst untersuchte er Trauben- und Obstwein an der höheren Lehranstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau in Klosterneuburg, wobei er die damals ziemlich neuen Quarzlampen als Lichtquelle benutzte. Da ihm praktisch keine Geldmittel zur Verfügung standen, konnte er keine handelsübliche „Analysen-Quarzlampe“ erstehen, sondern bastelte selbst ein Gehäuse, das er aber so ausbildete, daß gleichzeitig zwei oder drei Beobachter ihre Untersuchungen ausführen konnten. Die verhältnismäßig geringe Leuchtdichte der damaligen Quarzbrenner zwangen ihn, das zur Verfügung stehende UV-Licht zu sammeln. Quarzlinsen waren finanziell unerreichbar, daher fand er in den „Schusterkugeln“ der alten Mikroskopiker einen brauchbaren Ersatz. Eine Originalaufnahme aus dieser Arbeitsperiode Haitingers aus den Jahren 1928—1930 zeigt das nebenstehende Bild 8, wo er eine Versuchsanordnung einer „Wasserlinse“ bei Bestrahlung einer Äskulinlösung im Fluoreszenzlicht photographisch festhielt.
Haitinger hatte erkannt, daß die Auflösung der Kollektivfarbe einer fluoreszierenden Substanz in einzelne, materialspezifische Anteile der Forschung neue Wege erschließen könne und trachtete daher, mikroskopische Beobachtungen zu ermöglichen, welche die einzelnen fluoreszierenden Präparatanteile aufscheinen läßt. Dies führte ihn bereits 1930 zur Beschreibung einer behelfsmäßigen Anordnung für fluoreszenzmikroskopische Untersuchungen.
Die weitere Entwicklung, die schließlich aus der Zusammenarbeit mit den Optischen Werken Carl Reichert in Wien zur Schaffung moderner, leistungsfähiger Geräte führte, wobei besonders Dr. phil. C. Reichert und Dr. Fritz Bräutigam durch ihre Förderung und wohlwollendes Interesse zu erwähnen sind, ermöglichte es Haitinger. nebst der Konstruktion der „Eisenlampe“ und weiterer Einzelheiten, in nahezu 60 Einzelveröffentlichungen, 3 Monographien und 3 Handbuchbeiträgen bahnbrechend auf diesem Gebiete zu wirken.
Die Entwicklung der Fluorochromierungstechnik, also der Methoden der „Sekundärfluoreszenz“, stellen eine besonders verdienstvolle Leistung dieses For-
Bild 9.
Oberst Dr. li. c. Max Haitinger. (1868—1946.)