Aufsatz 
Zur Geschichte der ehemaligen Staatlichen Schwefelsäurefabrik in Wien-Heiligenstadt und der ehemaligen k.k. Salmiakfabrik in Nußdorf / von E. A. Kolbe
Entstehung
Seite
81
Einzelbild herunterladen

< leschielite der Schwefelsäurefabrik in Wien-Heiligenstadt und der k.k. Salmiakfabrik. 81

Gloverturmes herabgesetzt worden wäre. Außerdem wurden zwecks weiterer Zu­fuhr des in den Kammern zur Säurebildung erforderlichen Wassers Wasser­zerstäubungsdüsen Bauart Körting-Szigety angewandt. Die Dampfkesselanlage konnte für Zwecke des Kammerbetriebes außer Betrieb gesetzt werden. Die Vor­konzentration der Kammersäure wurde in Bleipfannen, welche in Kaskadenform auf dem mit Gußeisenplatten abgedeckten Schwefelofen aufgesetzt worden waren, ermöglicht. Die Gasbewegung im Kammersystem erfolgte durch einen Exhaustor. Die Konzentration auf 66gradige Säure wurde in einem Hartmann- undBenker- Apparat in Quarzglasschalen vorgenom­men. Der Rauminhalt aller vier Blei­kammern betrug 1739 Kubikmeter. Die Jahreserzeugung der Fabrik belief sich in den letzten Betriebsjahren, bezogen auf 66gradige Säure, auf rund 1100 Tonnen arsenfreier 66gradiger Schwefelsäure. Je Tag wurden im Schwefelofen mit drei gußeisernen Verbrennungstassen 1000 kg Schwefel verbrannt. Abgesetzt wurden:

Akkumulatorensäure in verschiedenen Gradigkeiten, Kammersäure von zirka 50°

, 60gradige und 66gradige arsenfreie Schwefelsäure. In den letzten Betriebs­jahren wurden arsenfreier sizilianischer und zeitweise auch arsenfreier Schwefel, welcher in einem der Werke der früheren I. G. Farbenindustrie A. G. durch Einwir­kung von Schwefelwasserstoff auf Schwe­feldioxyd gewonnen worden war, verarbei­tet. Diese Sorte wurde alsSynthetischer Schwefel verkauft. Die staatliche Schwe- felsäurefabrik in Heiligenstadt unterstand der Staatlichen Montanverwaltung im Ministerium für Handel und Verkehr, später Ministerium für Wirtschaft und Arbeit in Wien. Die Staatliche Montanverwaltung wurde im Jahre 1940 aufgelöst.

Der Betrieb der Staatlichen Schwefelsäurefabrik in Heiligenstadt wurde am 15. Juli 1939 für immer eingestellt und hierauf die Betriebseinrichtungen abge­brochen. Durch die Luftangriffe am 17. Oktober 1944, am 15. Jänner und am 22. März 1945 wurden einzelne Werksgebäude schwer getroffen. Auf dem Fabriks­grundstücke im Ausmaße von rund 11000 m 2 sind durch explodierte Fliegerbomben lGmal Schädigungen eingetreten.

Maler Anton Hlavaoek, der Nestor der Döblinger Künstler und Schöpfer des im Museum der Stadt Wien befindlichen GroßgemäldesAnsicht Wiens vom Nuß­berge aus, iiat auf diesem Bilde das hochgebaute Bleikammergebäude der Fabriks­anlage, auf welchem sogar das Austrittsrohr für die aus dem Gay-Lussac-Turme entwichenen Abgase zu erkennen ist, festgehalten.

Bild. 3. Gay-Lussacturm (links), und Gloverturm (rechts).

J-ÄSsl