Geschichte der Schwefelsäurefabrik in Wien-Heiligenstadt und der k. k. Salmiakfabrik. 83
unter anderem an Münzämter, Probierämter und Punzierungsämter abgegeben. In Tongefäßen wurde es bis nach Venedig an die dortige Münze, welche unter dem Namen Zecca bekannt war, ferner nach Mailand geliefert. Wie Möller angab, wurde die Salpetersäure vom Jahre 1852 an nicht mehr in Glasretorten, sondern in sechs gußeisernen Zylindern erzeugt. Im Jahre 1862 wurde die bestandene Salpetersäureanlage durch eine neue mit drei großen gußeisernen Zylindern ersetzt. Später wurde eine Salpetersäureanlage System Griesheim errichtet. Nach dem ersten Weltkriege wurde in Heiligenstadt keine technisch reine Salpetersäure mehr erzeugt, weil sie hinsichtlich der Gestehungskosten mit der synthetischen nicht mehr hätte in Wettbewerb treten können.
Die zum eigenen Kammerbetrieb und zur Herstellung von chemisch reiner Ware erforderliche technisch reine Salpetersäure wurde teils von den Werken der I. G. Parbenindustrie A. G., teils von der Luftverwer- tungs-Gesellschaft in Innsbruck, und zwar aus ihrem Werk in Patsch bei Innsbruck, welches nach dem Pauling-Verfahren arbeitete, bezogen.
Salzsäure. Auch diese Säure wurde in der „k. k.
Vitriolöhlfabrik“ durch Erhitzen von Kochsalz mit konzentrierter Schwefelsäure in Glasretorten gewonnen. Nach Keess wurden rauchende Salzsäure vom spezifischen Gewicht 1,190 und sogenannte ordinäre Salzsäure oder Salzgeist vom spezifischen Gewicht 1,065 erzeugt. Wann die Herstellung dieser nur technisch reinen Säuresorten eingestellt wurde, konnte nicht erhoben werden.
Kaustisches Ammoniak und kohleusaures Ammoniak. Wie Möller mitteilte, wurde die Herstellung dieser beiden Produkte im Jahre 1810 eingeführt. Ihre Erzeugung wurde jedoch später aufgelassen.
Chemisch reine Schwefelsäure, chemisch reine Salpetersäure, chemisch reine Salzsäure und chemisch reines Ammoniak. Die Erzeugung der vorgenannten chemisch reinen Produkte wurde nach 1851 aufgenommen.
über den als Fabriksgeheimnis betrachteten Zusatz und anderes.
Im folgenden Abschnitte will ich noch auf mehrere, die ehemalige Fabrik betreffende und bereits erwähnte Einzelheiten chemischer, betriebstechnischer und kommerzieller Natur zurückkommen. Was den nach Keess noch im Jahre 1823 bei der „k. k. Vitriolöhlfabrik“ geheimgehaltenen Zusatz bei der Bildung der
Bild 4. Inneres des Gloverturmes bei Neubefüllung,