Geschichte der Schwefelsäurefabrik in Wien-Heiligenstadt und der k. k. Salmiakfabrik. 85
sehen chemischen Großindustrie nicht Schritt halten konnte, hat sie doch bis zum Jahre 1939 ihre arsenfreien Schwefelsäuresorten, ferner eine Reihe von chemisch reinen und technisch reinen Produkten herstellen und absetzen können, welche den in Betracht gekommenen Industriezweigen, Gewerben, Instituten und chemischen Laboratorien von Nutzen gewesen sind.
II. Die k. k. Salmiakfabrik in Nußdorf.
Dokumente, denen Angaben über das Jahr der Errichtung der k. k. Salmiak- fabrik in Nußdorf hätten entnommen werden können, befanden sich nicht im Besitze der Staatlichen Schwefelsäurefabrik in Heiligenstadt. Stephan Edler von Keess gab in seinem aus dem Jahre 1823 stammenden Buche an, daß die k. k.
Salmiakfabrik zu Nußdorf, einem wegen der leichten Zufuhr der notwendigen Stoffe und des Brennmaterials sehr vorteilhaft an der Donau gelegenen Orte, im Jahre 1800 für Rechnung des k. k. Ärari- ums gegründet worden sei. In der Döblinger Heimatkunde wird sie auch erwähnt, doch finden sich in ihr keine Hinweise darauf, wann sie errichtet worden ist. Hingegen wird angegeben, wo sie sich befunden hatte. Das in der Döblinger Heimatkunde genannte und als alter Trakt des ehemaligen Wasserzollamtes bezeichnete Gebäude, das letzte noch vorhandene Bauobjekt der Salmiakfabrik, ist, wie ich feststellen konnte, das Haus Wien XIX, Eisenbahnstraße 79, oder, wie es dort genannt wird, das Wasserhaus.
Das Grundstück, auf welchem sich die k. k. Salmiakfabrik befunden hatte, lag daher, vom Nußdorfer Platze aus stadtwärts betrachtet, zwischen dem heutigen Bundesbahnhof Nußdorf und dem Nußdorfer Markte. Auf diesem Grundstücke wird gegenwärtig von der Stadt Wien eine Wohnhausanlage errichtet. Die gleiche Lagebezeichnung der Salmiakfabrik erhielt ich auch vom früheren Betriebsleiter der Heiligenstädter Schwefelsäurefabrik, Dipl.-Ing. Kajetan Hummel, zwischen 1916—1918. Die Werksgebäude der k. k. Salmiakfabrik zu Nußdorf lagen sonach nicht auf dem Grundstücke der Vitriolölfabrik „Zu Balleisen“ im heutigen Heiligenstadt, Wien XIX, Heiligenstädterstraße 135, sondern, räumlich getrennt von der Vitriolölfabrik, in Nußdorf. Die Salmiakfabrik hatte keinen selbständigen Verwalter. Sie unterstand der k. k. Salmiak-, Vitriolöhl- und Salzprodukten- Fabriks-Direktion „Zu Balleisen“.
Bild 5. Schwefelsäure-Konzentrations- apparat, System Hartmann und Benker, Hauptkonzentration.
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