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Paul Dolch:
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Sc/fn/f/C'D
lichen Stickstoffbindung Anteil, da in Bereitstellung großer und billiger Strommengen aus heimischer Wasserkraft ein Anreiz zur Anwendung der elektro- thermischen Stickstoffbindung gegeben war: in Patsch an der Sill wurde 1907 im Anschluß an die vom Innsbrucker Elektrizitätswerk ausgenützten Wasserkräfte (15 000 PS) die erste Luftsalpeteranlage nach Pauling errichtet. Das Pauling- Verfahren beruht auf der Verbrennung von Luft im elektrischen
Lichtbogen nach dem Prinzip der Hörnerblitzableiter. Der PAULiNG-Ofen besteht aus einer gemauerten Kammer von etwa 3 m Höhe; mehrere Öfen sind zu einer Gruppe zusammengefaßt. Der einzelne Ofen nimmt etwa 700 bis 800 m 3 Luft stündlich auf bei einer Belastung von etwa 520 kW; es wurde eine Ausbeute von etwa 60 g % 0/ff HNOg/kWh erzielt, die durch Zusatz von Sauerstoff zur Luft auf etwa 90 g HN0 3 /kWh gesteigert werden kann. Die Ofenspannung beträgt etwa 4000 Volt. Dem Innsbrucker Elektrizitätswerk diente die Pau- LiNG-Anlage dazu, die in der Zeit der Minderbelastung als Abfallenergie verfügbare Strommenge auszunützen. Die Fabrik wurde 1927 stillgelegt; sie hat in den letzten Jahren ihres Betriebes je etwa 10001 N gebunden.
Auch an dem anderen elek- trothermischen Verfahren, das bereits vor 1914 in die Technik umgesetzt wurde, nämlich dem sogenannten Kalkstickstoffverfahren, hatte Österreich Anteil, und zwar durch die A. G. zur Nutzbarmachung der Wasserkräfte Dalmatiens (Societä anonima per la utilizza- zione delle force idrauliche della Dalmazia, Triest, kurz SUFID genannt). Diese Gesellschaft nutzte die Wasserfälle der dalmatinischen Cetina, die auch bei niedriger Wasserführung noch etwa 80000 PS liefern können, für die Herstellung von Karbid und Kalkstickstoff in ihren Werken in Almissa und Sebenico aus. Die Werke arbeiten nach dem FRANK-CARO-System der Kalkstickstofferzeugung. Die Kalkstickstoffproduktion Sebenicos betrug 1912/13 bereits 5000 t/Jahr, über Almissa fehlen entsprechende Zahlen.
Die Fabrikation von Kalkstickstoff zerfällt in zwei Stufen, nämlich die Er-
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Bild 1. PAULiNG-Ofen zur elektrischen Luft-Stickstoffbindung (Ullmann : „Enzyklopädie der technischen Chemie“, 2. Aufl., Band 9, S. 29, Bild 19).