Entwicklung und Stand der Stickstoffdünger Industrie in Österreich.
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zeugung von Karbid durch Zusainiuenschnielzen von Koks und Kalk im elektrischen Ofen und die nachfolgende sogenannte Azotierung des erkalteten, fein gemahlenen Karbids in Öfen besonderer Konstruktion durch überleiten von reinem Stickstoff über das angewärmte Karbid. Es ist an dieser Stelle der Hinweis von Interesse, daß die Entwicklung der modernen Karbiderzeugung im elektrischen Großofen auf österreichischem Boden in Jaice bei der Bosnischen' Elek- trizitäts-A. G. (kurz Elektrobosna genannt) vor sich gegangen ist. Das Verdienst dieser Entwicklung gebührt A. Helfen stein 3 , welcher als erster 1904 zunächst einen Ofen für 4000 PS betrieb und hierauf einen Drehstromofen für 10 000 PS
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Bild 2. Großazotierofen (Winnacker-Weingaertner: „Chemische Technologie“,
Band II, S. 274, Bild 22).
konstruierte, in welchem er die gesamte verfügbare Kraft der Anlagen vereinigte, die ursprünglich auf 30 kleine Öfen verteilt war. Das im Elektroofen erschmolzene Karbid erkaltet in den sogenannten Karbidpfannen, wird in Backenbrechern vorzerkleinert und in Rohrmühlen auf Staubfeinheit gemahlen. Das Karbidpulver wird in eiserne stehende Körbe aus Siebblech von etwa 11 Fassungsvermögen unter Zwischenlage von Wellpappe oder körnigem Material, z. B. bereits fertigem Kalkstickstoff, gefüllt; der gefüllte Korb wird in den Ofen, einen ausgemauerten Zylinder mit Deckel und Zu- und Ableitung für den Stickstoff bzw. die Abgase eingesetzt. In der Mitte der Füllung steht ein Papprohr, in welchem sich ein Kohlenstab befindet. Durch zeitweise Erhitzung dieses Stabes mittels elektrischen Stroms wird die Reaktion des staubförmigen Karbids mit dem in den Ofen eingeleiteten Stickstoff in Gang gesetzt; hat das Karbid „gezündet“,
3 Askenasy: Einführung in die technische Elektrochemie, Bandl: Helfenstein, Die Karbiderzeugung.
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