Aufsatz 
Entwicklung und Stand der Stickstoffdüngerindustrie in Österreich / von Paul Dolch
Entstehung
Seite
15
Einzelbild herunterladen

Entwicklung und Stand der Stickstoffdüngerindustrie in Österreich. 15

Druck gebracht und dann der Entschwefelungsanlage zugeführt. Diese besteht aus zweimal vier großen, hintereinandergeschalteten Kästen mit je zwölf Horden, auf denen Gasreinigungsmasse ausgebreitet ist. Die Masse, die im wesentlichen aus Eisenoxydverbindungen besteht, besitzt die Eigenschaft, bei einer Temperatur von 35 bis 40° den Schwefelwasserstoff aus dem Gas zu binden; die dabei ent­stehenden Eisenverbindungen werden durch geringe Mengen Sauerstoff, die im Gas enthalten sind,regeneriert, d. h. die Eisensulfide werden unter Abscheidung von elementarem Schwefel in Eisenoxyde zurückverwandelt. Der Schwefel reichert sich auf diese Weise in der Masse allmählich an. Nach einer bestimmten Zeit wird die Masse aus den Kästen entfernt und der Verwertung des Schwefels zugeführt. Das entschwefelte Kokereigas wird durch Gebläse den nachgeschalte­ten Spaltsystemen zugeführt. In der Spaltanlage wird bei über 1000° in Gegen­wart eines Kontaktes durch teilweise Verbrennung von Methan mit Sauerstoff und Luft unter Zusatz von Wasserdampf die Aufspaltung der Kohlenwasserstoffe zu Kohlenoxyd und Wasserstoff durchgeführt. Der Sauerstoff wird zum Teil als reiner Sauerstoff, der in einer LiNDE-Anlage aus Luft erzeugt wird, zum Teil direkt als Luft dem Spaltofen zugeführt, wobei das Verhältnis von Luft zu Linde- Sauerstoff so gehalten wird, daß nach der Spaltung und Konvertierung das Ver­hältnis von Wasserstoff zu Stickstoff im Kontaktgas dem erforderlichen Ver­hältnis 3 :1 entspricht. Die Spaltanlage besteht aus Gas- und Luftsättiger, in denen durch Berieselung mit Warmwasser der erforderliche Wasserdampf dem Gas zugeführt wird, aus Wärmeaustauschern zwecks Vorwärmung und aus dem eigentlichen Spaltofen, in dem die Zersetzung der Kohlenwasserstoffe vor sich geht; ferner aus einem Abhitzekessel, in dem ein Teil der fühlbaren Wärme des aus dem Spaltofen abströmendenSpaltgases zur Dampferzeugung verwendet wird. Das Spaltgas ist etwas rußhältig und muß, ehe es der nachgeschalteten Konvertierung mit Wasserdampf zugeführt wird, ein Rußfilter durchstreichen. Die Konvertierungsanlage besteht gleichfalls aus Wärmeaustauschern und Dampf­sättigern und dem Konvertierungsofen. In diesem wird in Gegenwart eines Kontaktes bei etwa 400° der Großteil des Kohlenoxyds durch Wasser dampf in Kohlendioxyd und Wasserstoff umgesetzt. Das so entstehende Kontaktgas gelangt schließlich in den Schlußkühler, der in seinem oberen Teil mit Frischwasser berieselt wird, um eine weitgehende Kühlung herbeizuführeu, und wird dann dem Gasometer für Kontaktgas zugeführt.

Um sich von Schwankungen in der Koksofengasanlieferung einigermaßen un­abhängig zu machen, wurde eine Generatoren an läge zur Erzeugung von Wassergas durch Vergasung von Koks mit Sauerstoff, Luft und Wasserdampf errichtet. Die Generatoren stellen die übliche Type normaler Drehrostgas­erzeuger dar. Durch den Zusatz von Sauerstoff zum Wasserdampf ist es möglich, den an sich wärmeverbrauchenden Wassergasprozeß, der üblicherweise durch Blasen undGasen diskontinuierlich durchgeführt wird, zu einem stetigen zu gestalten. Der Sauerstoff wird dabei in dem Ausmaße in Form von Luft ein­gebracht, daß im fertigen Synthesegas ein Verhältnis von Stickstoff zu Wasser­stoff gleich 1:3 erhalten wird; der Rest des Sauerstoffs im Vergasungsmittel entstammt, wie beim Spaltofenbetrieb, der LiNDE-Anlage.