Aufsatz 
Das Unterinntal, eine technikgeschichtliche Landschaft / von Erich Kurzel-Runtscheiner
Entstehung
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Erich Kurzel-Runtscheiner:

inntalbahnen eröffnet, über deren Bau im Anschluß an eine gleichzeitig herzu­stellende Eisenbahnlinie von München nach Salzburg 1851 zwischen Bayern und Österreich ein Staatsvertrag abgeschlossen worden war. Erst mit diesem Ereignis und seit der Aufnahme des Verkehrs auf der Brennerstrecke 1867 sowie auf der Arlbergstrecke 1884, begann die günstige Verkehrslage Innsbrucks sich voll aus­zuwirken. Dem Bau dieser Hauptbahnlinien folgte alsbald jener der ersten von Innsbruck ausgehenden Nebenbahnlinien, der 1891 zunächst als Dampfeisenbahn in Betrieb gesetzten Lokalbahn von Innsbruck nach Hall und der nach Igls

führenden Mittelgebirgsbahn, die 1900 ebenfalls als Dampfeisen­bahn eröffnet wurde.

Der Bau dieser beiden Bahnen und der weitere Ausbau der von Innsbruck ausgehenden Verkehrs­anlagen ist dem Wirken des aus Bozen stammenden Oberbaurates Josef Riehl und seiner Nachfol­ger in der Führung des von ihm 1870 in Innsbruck begründeten Ingenieurbüros, Oberbaurat Karl Innerebner und Oberbaurat August Mayer zu danken. Riehl leitete auch den Bau einer elek­trischen Schmalspurbahn ins Stubaital in die Wege, die nach kaum einjähriger Bauzeit 1904 er­öffnet wurde. Sie verbindet Inns­bruck mit Fulpmes, wo eine aus einem bodenständigen Eisenwesen her vor gegangene Kleineisenindu­strie angesiedelt ist, die, auf ge­nossenschaftlicher Basis organi­siert, Messer, Eispickel und Steig­eisen erzeugt. Ebenfalls 1904 erbaute Riehl auch die Standseilbahn auf: das Hungerburgplateau; dann ergänzte er 19051908 die Innsbrucker Lokalbahn durch elektrisch betriebene Bahnlinien durch die Stadt und elektrifizierte 1909 auch die Linie InnsbruckHall. Heute sind Straßenbahn, Lokalbahn und Mittel­gebirgsbahn, auf denen nur elektrische Züge verkehren, in ein einheitliches Unter­nehmen zusammengeschlossen. Ferner erbaute Riehl 1910 bis 1913 die von Inns­bruck nach Reutte führende Mittenwaldbahn. Diese vom Inntal über schwierig­stes Gelände an steilen Hängen und durch Tunnels bis nach Seefeld ansteigende Normalspurbahn ist die erste mit elektrischer Traktion nach dem Einphasen- Wechselstromsystem mit 16 2 / 3 Perioden betriebene, mit eigenem Bahn Wasserkraft­werk ausgestattete Vollbahn am europäischen Festland; von ihr als Keimzelle nahm die Elektrifizierung des Eisenbahnnetzes in Österreich und in Deutschland

Bild 4. Mittenwaldbahn Schloßbachklamm.

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