Aufsatz 
Das Unterinntal, eine technikgeschichtliche Landschaft / von Erich Kurzel-Runtscheiner
Entstehung
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Erich Kurzel-Runtscheiner:

kam wieder ein Yersuchsbergbau auf Silber in Gang, der aber nicht lange darauf als erfolglos aufgegeben wurde.

Der Mittelpunkt des einst in Nordtirol blühenden Eisenwesens war Jenbach. Neben den uralten Schmieden, denen der nie gefrierende Kasbach als Kraftquelle diente, waren 1526 an dessen Ufern die ersten Silberschmelzhütten erbaut worden; sie waren bis dahin am Lahnbach bei Schwaz gestanden, dessen Ausbrüche die Verlegung nach Jenbach erzwangen. Nach starken Rückschlägen, die das Ver­siegen des Silbersegens am Falkenstein ausgelöst hatte, kam für Jenbach neuer Aufstieg durch die Eisenerzfunde, die am Ende des siebzehnten Jahrhundertsauf der Schwader gemacht wurden. Alsbald entstand eine Eisenschmelze und eine Eisenhütte, die auch um 1850 noch in Hochbetrieb stand. Berühmt in aller Welt wurden die Jenbacher Sensen, die auch heute noch erzeugt werden, während in den durch Jahrzehnte stillgelegten Jenbacher Berg- und Hüttenwerken während des zweiten Weltkrieges Betriebe der Flugzeugindustrie auf getan wurden.

Seit 1945 heißt das Unternehmen Jenbacher Werke und erzeugt landwirtschaft­liche Maschinen und Fahrzeuganhänger sowie Dieselmotoren und Dieselloko­motiven. Unter den landwirtschaftlichen Geräten, die hauptsächlich für die öster­reichischen Bauern bestimmt sind, seien insbesondere Dreschmaschinen verschie­dener Bauart erwähnt. Die Dieselmotoren werden als ortsfeste Motoren zum Antrieb von Maschinen im Gewerbe, im Bauwesen und in der Landwirtschaft sowie zum Einbau in Lokomotiven, Schlepper, Zugmaschinen und Straßenwalzen verwendet; ein großer Teil der Dieselerzeugnisse wird in überseeischen Ländern abgesetzt. Heute beschäftigen die Jenbacher Werke 3000 Arbeiter. Werkshallen und Werkswohnungen wurden gebaut. Jenbach ist durch dieses Unternehmen zu einem wohlhabenden Industrieort geworden.

In Jenbach zweigt der alte Handelsweg vom Inntal ab, der am Achensee vorbei und durch das Achental auf kürzester Strecke nach Bayern führt. Die alte Straße wurde eben in modernster Weise ausgebaut, als der zweite Weltkrieg ausbrach und die Bauarbeiten eingestellt werden mußten. Unweit Jenbach schwingt sich bei Wiesing eine kühne Steinbogenbrücke über den Inn, während die Straße selbst in weitmaschigen und aussichtsreichen Kehren zum Achensee aufsteigt. Diese Straße wird bis zum Achensee 1952 fertig sein; sie wird jene Transport­leistung zum Straßendurchgangsverkehr machen, die nun noch auf dieser Strecke an die 1889 erbaute Zahnrad-Dampf bahn gebunden ist, die von Jenbach aus das Inntal und den Achensee verbindet. Sie klimmt an den Steilhängen des Kasbach­tales, rund 440 m Höhenunterschied in 3V 2 km an einer Zahnstange überwindend, zur Wasserscheide zwischen Inntal und Achensee empor, um dann etwa 3 km in sanftem Gefälle.als Reibungsbahn zum See hinabzuführen. Der Betrieb auf dieser Schienenverbindung soll nach Fertigstellung der neuen Autostraße ein­gestellt werden.

Von Jenbach geht auch die Zillertalbahn aus, die, als schmalspurige Dampfeisen­bahn erbaut, am 20. Dezember 1900 eröffnet wurde, nun aber mit Triebwagen be­fahren wird. Die Endstation ist Mairhofen, wo sich das Tal fächerförmig zerteilt. In den Seitentälern sind die Zentralen der Zillertaler Kraftwerke eingebaut. Von Zell am Ziller ausgehend, entsteht die Gerlosstraße, die die zweite von Kraft-