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Erich Kurzel-Runtscheiner:
Wattens herankommt, dem werden die schönen Werks Wohnhäuser auf fallen, die die SwAROVSKi-Werke, erfüllt von sozialem Geist, in die Landschaft gestellt haben.
Hier steht auch die Papierfabrik Wattens. Sie wurde, eine der ältesten Papiermühlen Österreichs, 1559 mit einem Privileg Kaiser Ferdinands I. ausgestattet, vom früheren Berggerichtsschreiber zu Schwaz und Richter der Herrschaft Rettenberg, Ludwig Lassl, errichtet. Durch all die Jahrhunderte konnte der Betrieb dieser Papiermühle, die 1862 durch Aufstellung einer Lang- siebmaschine zum „Papierfabrik-Etablissement“ wurde, aufrecht erhalten werden. Das Unternehmen blüht, zum Konzern der Bunzl & Biach A. G. in Wien gehörig, noch heute; die Erzeugnisse werden, in jeder Hinsicht konkurrenzfähig, nun wieder, wie vor Beginn des zweiten Weltkrieges, in alle Welt versandt.
Wo in seinem weiteren Lauf der Inn an die Südlelme seines Tales herandrängt, liegt das malerische Städtchen Rattenberg. Einst war es reich als Sitz der Innschiffer und vieler Gewerkenfamilien. Heute ist es Fremdenverkehrsort; denn Rattenberg hat, wie wenige Städte (selbst in Tirol), das mittelalterliche Stadtbild bewahrt. An Kundl vorbei, einst auch ein Bergwerksort, heute bekannt durch seine Bierbrauerei, führt Eisenbahn und Straße nach dem als Verkehrsknotenpunkt bedeutenden Wörgl: Hier zweigt die Bahn nach Kitzbühel und ins Salzburgische ab, von hier gehen Autostraßen einerseits ins Brixental, nach Hopfgarten und nach Kitzbühel, anderseits über Söll und Elmau nach St. Johann in Tirol. Südlich von Wörgl steht in den Bergen der Großbauernhof „die Hörbig“. Von hier zog, gleich anderen tirolischen Landsleuten, die es verstanden, sich in der Welt angesehene Stellungen zu erwerben, der tüchtige Orgelbauer Alois Hörbiger aus. Er ist in Atzgersdorf bei Wien ansässig geworden, der Großvater Hanns Hörbigers, dessen Name als Erfinder der massenarmen, reibungs- frei geführten Stahlplattenventile für Pumpen und Kompressoren sowie als Schöpfer der Welteislehre berühmt geworden ist.
Kohle und Zement.
Bei Wörgl ändert der Inn seine Laufrichtung, indem er sich, die Nördlichen Kalkalpen durchbrechend, nach Norden wendet. Bald ist Kirchbichl erreicht. Hier stand im sechzehnten Jahrhundert ein FuGGEitsches Drahtzieh werk. Der Kanal, (1er dessen Wasserräder beaufschlagte, besteht noch heute. 1717 wurde an diesem künstlichen Wasserlauf bei Kastengstatt ein Hammer- und Walzwerk errichtet, das aber 1871 stillgelegt werden mußte, als nach Eröffnung des Bahnbetriebes die Konkurrenz der außerhalb Tirols gelegenen Montanindustrie übermächtig wurde.
In Kastengstatt und im gegenüberliegenden Angath standen einst Schiffswerften, die die Innschiffe bauten; die „Inn-Schöffleute“, die mit Stolz auf ein von Kaiser Karl VI. verliehenes Privileg hinweisen konnten, fuhren mit ihren Fahrzeugen von hier bis Passau, bis Wien, ja bis Belgrad, während die Zillenfahrt und die Holzflößerei den Lauf des Inn schon vom Oberinntal aus benutzten. Bald nach der 1868 erfolgten Eröffnung des Eisenbahnverkehrs durch das Unterinntal ging die Innschiffahrt ihrem Ende entgegen. Die Schiffahrt und all das, was durch Jahrhunderte mit ihr im Zusammenhang stand, ist endgültig dahin, überwältigt