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Erich Kurzel-Runtscheiner:
den; dies nutzte eine Schwefelhölzchenfabrik aus, die einst in Kirchbichl bestand. Dieser hohe Schwefelgehalt der Häringer Kohle bringt auch die Gefahr leichter Selbstentzündung mit sich. Schon im sechzehnten Jahrhundert war aus einer solchen in Häring ein Flözbrand entstanden. Von diesem berichtet 1558 der „Tiroler Bergreim“:
„Bei Kuefstein ein Perg brinnen thuet,
Am Pelchen genannt, an (ohne) sonder Huet,
Gibt Kalch, darf keiner ferrern gluet.“
Es wurde damals, also bei Häring, naturgebrannter Kalk gewonnen. An eine andere Verwendung der Braunkohle dachte man noch nicht. Seit 1836 wieder-
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Bild 11. Zementwerk Perlmoos um 1860. Nach einem Briefkopf des Unternehmens.
holten sich die Kohlenbrände, die seit 1872 nicht mehr gedämmt werden konnten. Daher mußte die Grube 1942 aufgegeben werden; das Flöz schwelt untertags weiter.
Vom Unterinntal hat auch Österreichs Zementindustrie ihren Ausgang genommen. Ihr Begründer ist der Straßenmeister Franz Kink, einst Bürgermeister von Kufstein, der 1842 feststellte, daß das Gestein des als Fundstätte der Häringer Kohle schon erwähnten Gebirgsstockes Pölfen auch als Ausgangswerkstoff der Zementerzeugung besonders geeignet sei. 1843 errichtete Kink bei dem von ihm •gefundenen mächtigen Lager von tertiären Mergeln in Schwoich und bald darauf in Häring je eine Romanzementfabrik. Die Erzeugung von Romanzement bedient sich eines Verfahrens, das der Engländer James Parker erdachte und 1796 erstmalig verwendete, indem er natürlichen hydraulischen Kalk pulverisierte und im Kalkofen brannte. Die Bezeichnung, die der Erfinder seinem Werkstoff gab, sollte darauf hinweisen, daß Romanzement Eigenschaften besitzt, die ihn den berühmten altrömischen Mörteln gleichwertig machen. Kink verbesserte Parkers Verfahren, was ihm wegen der Güte der Ausgangsstoffe möglich wurde, die ihm bei Kufstein zur Verfügung standen.