Alfred Collmann — Lebensweg und Leistung.
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Eisengießerei besaß, wurde der Junge schon frühzeitig zu technischer Betätigung hingeleitet. Nach Beendigung der Mittelschulstudien an einer Wiener Realschule bezog Collmann 1867 die Maschinenhauschule des Polytechnischen Instituts in Wien. Er war hier einer der Schüler von Professor Grimus von Grimburg und von Johann Radinger, der damals dessen Adjunkt — so hießen zu jener Zeit die Konstrukteure — und Dozent der Maschinenkunde am Wiener Polytechnischen Institut gewesen ist. 1871 trat Collmann, nachdem er seine Studien durch Erwerbung des Ingenieurdiploms erfolgreich abgeschlossen hatte, in die Praxis des Maschinenbaues ein.
Collmann ging zunächst nach Cannstatt zur Maschinenfabrik Decker &Co. und war dort durch zwei Jahre als Konstrukteur tätig. 1873 verließ Collmann diese Stellung, um bei der Turbinenfabrik Johann Jakob Riester in Föß bei Winterthur die Stelle eines Betriebs- und Konstruktionsingenieurs zu übernehmen. In dieser blieb er bis zum Jahre 1877 mit dem Bau von Wasserturbinen beschäftigt. Dann übernahm Collmann die Stelle eines Konstrukteurs in der Baienthaler Maschinenfabrik in Baienthal bei Köln am Rhein.
Schon zu Beginn seines Baienthaler Aufenthaltes hat Collmann 1877 erstmalig den Gedanken gefaßt, den einströmenden und den ausströmenden Dampf in Dampfmaschinenzylindern durch zwangläufiges Anheben und Senken von Doppelsitzventilen zu steuern.
Die praktische, auch für schnellgehende
Dampfmaschinen brauchbare Lösung erfolgte zunächst durch die sogenannte „zwangläufige CoLLMANN-Steuerung mit Wälzhebelwirkung“ vom Jahre 1878 (Bild 3).
Diese später als „alte CoLLMANN-Steuerung“ bezeichnete Bauart, bei der die Ventile für alle Füllungsgrade vom Steuerungsmechanismus gehoben und unter Federdruck zwangsweise wiederum gesenkt wurden, ergab wesentlich bessere Ventilbewegungen, als selbst die besten der damals üblichen Dampfmaschinensteuerungen, wie etwa die Drehschieber verwendende CoRLiss-Steuerung oder die Ventilsteuerungen mit Luftpuffern beinahe identischer Bauart, die seit 1870 von Gebr. Sulzer in Winterthur und seit 1872 von der Maschinenfabrik Augsburg gebaut wurden. Denn schon bei der „alten CoLLMANN-Steuerung“ fielen die Verschlußlinien der Ventile sehr steil und regelmäßig ab; trotzdem zeigte sich knapp vor der horizontalen Ventilschlußlage bei raschem Ventilschluß sanftes Aufsetzen der Ventilkörper. Die verbesserte Steuerwirkung war bei dieser Steuerung Collmanns von den Reibungswiderständen unabhängiger und hierdurch viel zuverlässiger geworden.
Ein unvermeidliches konstruktives Folgeübel der „alten CoLLMANN-Steuerung“
Bild 2. Alfred Collmann, Altersbildnis.