Aufsatz 
Alfred Collmann : Leben und Leistung
Entstehung
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Alfred Collmann Lebensweg und Leistung.

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Collmanns epochemachende Erfindung im Maschinenbau der damaligen Zeit wurde, als sie noch 1878 auf der in diesem Jahr in Paris stattfindenden Welt­ausstellung zur Schau gestellt war, von allen Fachleuten anerkannt und be­wundert; sie brachte Collmann die Verleihung der Ehrenlegion und gab in den darauffolgenden Jahren Anregung zur Entstehung einer größeren Anzahl Zwang­laufsteuerungen mit Wälzhebelwirkung.

Obwohl Collmann alsbald erkannt hatte, daß er nur als unabhängiger In­genieur jene hohen Ziele erreichen werde können, die er sich gesteckt hatte, mußte er doch noch eine Zeitlang als Industrieangestellter Weiterarbeiten. Zu­nächst blieb er bis 1880 in Baienthal. Dann aber folgte ein vierjähriger Auf­enthalt in England, während welchem Collmann bei der Maschinenfabrik Appleby Bros, in London die Stelle eines Konstrukteurs innehatte. Die Weitläufigkeit, die Collmann von je ausgezeichnet hatte, fand hier ihre letzte Vollendung.

1884 war Collmann sow r eit, daß er sich selbständig machen konnte: er über­siedelte nach Wien und ließ sich hier als freischaffender Ingenieur nieder, um als Ratgeber einer Reihe von Maschinenfabriken in Österreich, in Ungarn, in Deutschland, in Rußland und in Frankreich seine Gedanken über den Bau von Kolben-Dampfmaschinen in großem Stil zu verwirklichen.

1890 bestand diealte CoLLMANN-Steuerung noch so gut vor dem Forum der maschinenbaulichen Praxis, daß, als Radinger daranging, die Versuche vor­zunehmen, auf denen er die Feststellungen der schon erwähnten dritten Auflage seines Buchesüber Dampfmaschinen mit hoher Kolbengeschwindigkeit auf­bauen konnte, unter den 32 untersuchten Dampfmaschinen 8 Maschinen mit alter CoLLMANN-Steuerung gewesen sind. Sie alle waren Erzeugnisse der Ersten Brünner Maschinenfabriks-Gesellschaft in Brünn in Compoundanordnung' mit unter 90° versetzten Kurbeln; sie leisteten zwischen 70 und 600 PS.

Radinger gab, die Schiebersteuerungen und die Ventilsteuerungen seiner Zeit untereinander vergleichend, 1892 in obgenanntem Buch folgendes Urteil ab: Ventilsteuerungen sind nur bis ungefähr 100 Touren per Minute verläßlich. Ausnahmen kommen wohl vor, erheischen aber besondere Aufmerksamkeit. Für hohe Tourenzahlen haben sich bis heute nur die Steuerungen mit hin- und her­gehenden oder schwingenden Schiebern bewährt. Collmann, der unabhängig von Radinger zur selben Erkenntnis gekommen war, hatte, als Radingers Buch 1892 neuerlich erschien, durch den Wunsch geleitet, eine auch bei höheren Umlaufzahlen völlig entsprechende Ventilsteuerung zu schaffen, bereits eine neue Erfin­dung gemacht. Es war dies dieeinfache zwangläufige CoLLMANN-Steuerung mit Doppeldaumenbewegung, mit der er 1891 hervortrat. Bei dieser meist kurzweg neue CoLLMANN-Steuerung von 1891 genannten Bauart bewegte ein einziger Steuermechanismus die beiden Einlaßventile. Diese einfachste CoLLMANN-Zwang- laufsteuerung (ö. P. 42/1673, D. R. P. 67.391 vom Jahre 1891) wurde anfänglich in Verbindung mit dem kräftigen Vertikalregulator deralten CoLLMANN-Steuerung ausprobiert. Bald darauf verband Collmann aber diese Steuerung mit einem um eine waagrechte Welle umlaufenden Federregulator; diese Welle war zugleich jene Steuerwelle, die neben dem Dampfzylinder angeordnet ist und von deren Exzenter die Steuerhebel in Bewegung gesetzt werden.

Technikgeschichte, 13. Heft.

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