Alfred Collmann — Lebensweg und Leistung.
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men sind diese für den ruhigen (lang und die Wirtschaftlichkeit des Betriebes der Kolbendampfmaschinen entscheidenden Kurven hei der „neuen CoLLMANN-Steu- erung mit Flüssigkeitspuffer“; denn hei ihr erfolgt ein für alle Füllungen genau gleicher tadellos rascher Ventilschluß mit besonders sanftem Aufsetzen der Ventile.
Mit „neuen COLLMANN-Steuerungen“ wurden in den der Erfindung folgenden Jahrzehnten beinahe 2500 Kolbendampfmaschinen in vielen Ländern ausgerüstet; schon 1901 konnte ein „Bericht über die Erfolge aller die Collmann- Steuerungs-Patente ausbauenden Maschinenfabriken“ anläßlich der Lieferung der tausendsten Dampfmaschine mit „neuer CoLLMANN-Steuerung“ herausgegeben werden. Drei der darin aufgezählten Maschinenfabriken hatten für CoLLMANN-Maschinen auf der Pariser Weltausstellung des Jahres 1900 je einen Grand Prix erhalten. Der Welterfolg dieses österreichischen Ingenieurschaffens ergibt sich auch daraus, daß die Gesamtleistung aller jener Kolbendampfmaschinen, die mit der „alten“ und mit der „neuen CoLLMANN-Steuerung“ arbeiteten, mit 1 Mill. PS zu beziffern ist.
Die größten Einheiten, die jemals mit CoLLMANN-Steuerung versehen, gebaut wurden, waren zwei im elektrischen Kraftwerk Baku aufgestellte 3000 PS liegende Kondensations-Vierzylinder-Dreifachexpansionsmaschinen; sie hatten 1400 mm Hub, 770/1190/2 X 1400 mm Zylinderbohrungen und liefen mit 83 Umdrehungen minütlich. Neben mehreren Einheiten mit Leistungen zwischen 1000 und 1500 PS wurden meist Fabrikzentralen-Maschinen zwischen 100 PS und 800 PS Leistung mit CoLLMANN-Steuerung versehen.
Nebstbei wurde der von Collmann entwickelte Steuerungs-Flüssigkeitspuffer bald nach seinem Bekanntwerden auch zur Betätigung der selbsttätigen Ventile von Luftkompressoren mit bestem Erfolg verwendet. Während der Laufdauer der diesbezüglichen Patente wurden über 100 Großkompressoren mit Collmann- scher Ventilbewegung ausgerüstet.
Nach dem Ablauf der Schutzfristen seiner letzten Patente hat Collmann, da inzwischen durch das Vordringen der Dampfturbinen die Konjunktur des Kolbendampfmaschinenbaues einem raschen Ende zuneigte, seine Ingenieurtätigkeit auf diesem Gebiet eingestellt. Sie wurde, da bald darauf der erste Weltkrieg ausbrach und da sich dessen Folgen und die Folgen der Nachkriegsverhältnisse mehr und mehr bemerkbar machten, auf diesem Gebiet nicht wiederum aufgenommen. Von Collmann in Gemeinsamkeit mit seiner Tochter Alice Weibel erworbene Patente auf einen „direkten Friktionsräder-Dynamoantrieb der Laufräder von elektrischen Lokomotiven oder Triebwagen“ blieben ohne Auswirkung auf die Praxis.
Alfred Collmanns Wirken als Ingenieur, Erfinder und Organisator brachte ihm nicht nur große finanzielle Erfolge, sondern auch hohe Ehrungen. Es wurde bereits berichtet, daß er seit 1878 Ritter der Ehrenlegion war und daß anläßlich der Weltausstellung des Jahres 1900 in Paris drei mit seinen Steuerungen ausgerüstete Kolbendampfmaschinen mit dem Grand Prix ausgezeichnet wurden. 1931 verlieh ihm die Technische Hochschule in Wien, als deren Hörer Collmann sich sein Ingenieurkönnen erworben hatte, aus Anlaß seines 80. Geburtstages das Ehrendoktorat.
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