Technikgeschichtliche Bücherschau.
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stufen sind im Stadium der Vorbereitung und Projektierung. Schon nach dem Inbetriebsetzen des Flußkraftwerkes Neuötting, das im Frühjahr 1951 erwartet werden kann, wird das „Innwerk“ eine mittlere Jahresgesamtleistung von 2033 Millionen kWh abgeben können. Zu den siebzehn Flußkraftwerken des Gesamtaufbaues gehören auch jene von Braunau, Schärding und Passau, deren Leistung, da sie an jenen Teil des Laufes des Inn zu stehen kommen, wo dieser Grenzfluß ist, zwischen Österreich und Bayern zu teilen sein wird. Von diesen wurde der Ausbau des Kraftwerkes Braunau bereits begonnen.
Es ist interessant, zu sehen, wieviel Firmenjubiläumsschriften durch ihren Inhalt und durch die Art ihrer Aufmachung davon verraten, ob in der Führung der Unternehmen ein großzügiger und neuzeitlicher Geist herrscht, oder ob sie mehr als zulässig und empfehlenswert traditionsgebunden geleitet sind: Diese Erkenntnis ergibt sich auch dann, wenn es sich nicht um Firmenschriften im eigentlichen Sinne der Wortbedeutung, sondern um Schriften handelt, die von Unternehmungen gefördert oder angeregt wurden, in denen Lebenslauf und Leistung großer Techniker geschildert werden, die an der Gründung oder am Aufbau der Werke maßgebend beteiligt waren.
Ein Musterbeispiel für diese These ist die „Boscu-Schriftenreihe“ 8 , die von der Robert BoscH-Ges. m. b. II. in Stuttgart seit 1950 herausgegeben wird. Ist der Inhalt der Bändchen „Was ist Bosch?“ und „Bosch und der Dieselmotor“ noch mehr werkgeschichtlich, so gehört die Sammlung „Aufsätze, Reden und Gedanken von Robert Bosch“ zu den biographischen Schriften. Die letztgenannte Veröffentlichung gibt ein gutes Bild vom Menschen Robert Bosch und zeigt ihn als Ehrer der Menschenwürde. Die wirtschaftspolitischen Kapitel lassen erkennen, wie voraussehend und großzügig Bosch stets gewesen ist, und geben ein gutes Bild von der ungeheuren und erfolgreichen Arbeitsleistung dieses Mannes, der nicht nur zu fabrizieren, sondern auch, trotz Kriegen und Krisen, gut zu wirtschaften verstand. Die Folge 3 dieser Schriftenreihe „Bosch und der Dieselmotor“ ist besonders bemerkenswert durch vortrefflich gestaltete Abbildungen, in denen in neuartiger Weise die Objekte gezeichnet und mit hellen, durch teilweises Aussparen erzielten Lichtern versehen sind. Diese Schrift zeigt das Unternehmen insbesondere auch bei der Entwicklung des kompressorlosen Dieselmotors am Werk, dessen Entstehen erst die Verwendung des Dieselmotors als Fahrzeug- und Flugzeugmotor ermöglichte.
Ein vom Sohn Rudolf Diesels, Eugen Diesel, und vom Archiv- und Werbeleiter des Werkes Augsburg der M. A. N. Georg Strössner verfaßter Bericht „Kampf um eine Maschine“ 9 befaßt sich mit den ersten nach USA. gebrachten und dort erzeugten Dieselmotoren. Es waren schwere, durch die nach den überraschenden Anfangserfolgen aufgetretenen Rückschläge in der Entwicklung des Dieselmotors veranlagte Kämpfe, die durchgestanden sein mußten, bis USA. zu
8 „Bosch-Schriftenreihe, 1. Folge: Aufsätze, Reden und Gedanken von Robert Bosch. 2. Folge: Was ist Bosch; 3. Folge: Bosch und der Dieselmotor“, Stuttgart 1950, im Verlag der Robert Bosch G. m. b. H.
9 Eugen Diesel und Georg Strössner: „Kampf um eine Maschine. Die ersten Dieselmotoren in Amerika“, Berlin 1950, Erich Schmidt Verlag.