Technikgeschichtliche Bücherschau.
61
Diesels entstand, so schrieb die Biographie „Hugo Junkers, ein Leben für Technik und Luftfahrt“ 13 ein enger Mitarbeiter des „Professors“, wie Junkers von den Intimeren genannt zu werden pflegte. Hichard Blunck schildert in dieser Biographie nicht nur das lieben und die technische Leistung von Hugo Junkers und seine Methode, jede neugeplante Entwicklung aus den Einkünften, die die vorhergehende abgeworfen hatte, zu finanzieren, sondern führt durch seine Darstellung auch den Beweis, daß im raschlebigen Zeitalter der Technik selbst die größten Einzelleistungen bald überholt werden und veralten; unvergänglich aber ist der (Jeist, aus dem die Leistung erwuchs: „Wo dieser Geist, der Geist der echten, freien Forschung in der Technik verkümmert oder aus ihr schwindet, da stirbt auch der technische Fortschritt ab.“ Es gäbe keinen sicheren und billigeren AVeg als den der Forschung, um den Lebensstandard eines Volkes zu heben, um Güter zu schaffen und deren Export zu mehren, ohne andere Völker durch Konkurrenz zu beunruhigen. Worte, die für jedes Land und insbesondere auch für- das unsere gültig sind!
Das Leben und die vielfältigen Leistungen von Samuel F. B. Morse schildert Oarleton Mabee unter dem stolzen Titel „The ameriean Leonardo“ 14 . Dieses Buch, das nun, von Grete Pfeiffer ins Deutsche übersetzt, vorliegt, schildert die wechselvollen Schicksale eines genialen Menschen, dem vierfache Begabung zuteil wurde: Erfinder großen Stils zu sein, tüchtig als Geschäftsmann, kämpferisch in der Politik und letzten Endes einer der begabtesten und geschätztesten Maler in den USA. während des zweiten Drittels des neunzehnten Jahrhunderts. Wenn auch die Malerei „die große Liebe“ im beruflichen Leben Morses gewesen ist, so interessiert hier am meisten das, was ihm für die Entwicklung der Telegraphie gelang: die Herstellung des ersten Drucktelegraphen, den Morse 1832 während der langen Schiffsreise entwarf, die ihn von Europa in die Heimat zurückführte, der Kampf für sein Telegraphensystem und der Bau der ersten Telegraphenlinie zwischen Washington und Baltimore, 1843/44 mit Hilfe der von Morse für seine Erfindung endlich gewonnenen Regierung der USA. Es ist erfreulich, daß nun auch das Leben dieses Großen, das an vielen Stellen wie ein erregender Roman ablief, eingehend und sachkundig geschildert wurde.
Dasselbe gilt von der Lebensgeschichte „Alexander Graham Bell“, der dem Leser von der amerikanischen Verfasserin Catherine Mackenzie als Überwinder der Distanz, „the man who contracted space“, vorgeführt wird. Die wohlgelungene Übersetzung besorgte der Wiener J. X. Lorenz 15 . Die Verfasserin arbeitete in der Zeit von 1914 bis zum 1922 erfolgten Tode Bells in dessen Sekretariat; sie konnte also Sachkenntnisse genug erwerben, um, da sie auch weiterhin Bells autographischen Nachlaß benutzen konnte, eine eingehende Schilderung von Leben und
13 Richard Blunck: „Hugo Junkers, ein Leben für Technik und Luftfahrt“, Düssei dorf 1951, Econ-Verlag G. m. b. H.
14 Carleton Mabee: „Samuel F. B. Morse, der amerikanische Leonardo“, übersetzt von Grete Pfeiffer, Innsbruck und Wien 1951, Margarete Friedrich Rohrer Verlag.
15 Catherine Mackenzie : „Alexander Graham Bell, Überwinder der Distanz“, autorisierte Übersetzung von J. N. Lorenz, Wien und Innsbruck 1951, Margarete Friedrich Rohrer Verlag.