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Erich Kurzel-Rtjntscheiner
Leistung dieses Pioniers des Fernsprechwesens zu verfassen. Bell bemühte sich seit 1872 um die Entwicklung des Telephons, dessen Urform 1861 der Sprachlehrer Philipp Reis in Frankfurt a. M. vorführen konnte. Nachdem es Bell 1875 gelungen war, erstmalig ein Telephon zu schaffen, das eine wertvolle Bereicherung des Nachrichtenverkehrs zu werden versprach, setzten Kämpfe mit übermächtigen Gegnern, namentlich mit der Western Union Telegraph Company ein, die jahrelang dauerten und Bell das Leben vergällten. Endlich hatte er sich durchgekämpft und wurde, wie verschiedene Ehrendoktorate beweisen, allgemein anerkannt. Seit 1895 etwa galt Bells hauptsächlichstes Interesse dem Flugwesen; er ist der Erfinder der sogenannten Tetraederzelle, aus der die ersten personentragenden Flugdrachen zusammengebaut wurden. Auch als Erbauer von Flugzeugen hat sich Bell in seinen letzten Jahren betätigt. Dies alles schildert die nun vorliegende Lebensgeschichte, der — wie jener Morses — nur eines vorzuwerfen ist: der RoHRER-Verlag hat die beiden Bücher zwar sonst gut ausgestattet, es fehlen aber die Abbildungen des Erfundenen.
„Ein Leben für den Funk“ betitelt Eugen Nesper seine Selbstbiographie 16 . Sie geht von den ersten tastenden und mit untauglichen Mitteln unternommenen Versuchen aus, ein brauchbares Funksystem zu schaffen. In diese Entwicklung griff 1905 Eugen Nesper ein. Zu seinen Erfolgen auf diesem Gebiet gehört es, daß 1906 die damals weitreichendste Sendestation Nauen geschaffen wurde. Im ersten Weltkrieg arbeitete Nesper für die Heeresleitung der Mittelmächte. 1917 übersiedelte Nesper nach Wien, wo er an der unter Förderung des k. u. k. Kriegsministeriums erfolgten Gründung der LoRENZ-Werke beteiligt war, die bald vorzügliche Funkgeräte schufen. 1919 kam nach dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie über die LoRENZ-Werke ein Ende mit Schrecken. In dieser Zeit entstand in Nespers Geist der Plan einer „drahtlosen Telephonie für jedermann“, der dann in langem Kampf zum organisierten Rundfunk führte. Seit 1921 lebte Nesper in Berlin als Konstrukteur von Rundfunk- und Bildfunkgeräten, Gutachter und Rundfunksprecher, bis er auf Wunsch der Reichsregierung, für die er Entwicklungsarbeiten leisten sollte, nach Dresden übersiedelte. Nach der Zerstörung dieser Stadt am 13. Februar 1945 gelangte Nesper nach Berlin, wo sich Angehörige der USA.-Besatzung seiner annahmen; der große Pionier der drahtlosen Nachrichtenübertragung lebt noch heute in einem der Westsektoren dieser Stadt. Seine Autobiographie ist ein aufschlußreiches Dokument und wird, vom Oldenbourg- Verlag München, reich bebildert, der interessierten ..Leserschaft vorgelegt.
Eine Autobiographie ist auch „Der Werdegang eines Ingenieurs“, den E. Rosenberg schrieb 17 . Dieser geniale Elektrotechniker, ein gebürtiger Wiener, kam nach Jahren der Praxis in Deutschland und England 1916 zur Gesellschaft für elektrische Industrie nach Wien, die später nach Fusion mit dem von Franz Pichler gegründeten Weizer Werk zur „Elin“ wurde. In dieser Stellung wurde Rosenberg zum erfolgreichen Vorkämpfer der elektrischen Lichtbogen-
16 Eugen Nesper: „Ein Leben für den Funk. Wie der Rundfunk entstand“, mit 8 Abb. im Text und 28 Abb. auf Tafeln, München 1950, Verlag von R. Oldenbourg.
17 E. Rosenberg: „Der Werdegang eines Ingenieurs“, Wien 1950, Springer-Verlag.