’J?echnikgeschichtliche Büch erschau.
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L)r. techn. Erwin Koscher zum Verfasser. Bisnun erschien der erste Band dieses Werkes, der über „Werkstoffe, Passungen und Toleranzen“ berichtet. Ausgehend von den Eigenschaften des Stahles, des Eisens und der Nichteisenmetalle sowie von ihrem unterschiedlichen Verhalten hei der feinmechanischen Fertigung wird in weiterer Folge der Oberflächenschutz der Metalle, die in einem der spanlosen oder in einem der spangebenden Verfahren hergestellten Halbfabrikate, die Wahl des Werkstoffes und dessen Prüfung in der Werkstatt eingehend behandelt. Besonders wichtig sind die Schlußkapitel des Hilfsbuches, die über Passungen und Toleranzen belehren und dabei ein Sonderwissen vermitteln, über das nur wenige fachliche Veröffentlichungen in für die Praxis brauchbarer Form berichten und dessen Kenntnis doch die unerläßliche Grundlage jedes Serien- und Austauschbaues geworden ist; welches Unternehmen von heute könnte bestehen, wüßte es nicht auf diesem Feld Bescheid? Des Verfassers „Feinmechanik“ ist vollauf geeignet, all das, was dem Praktiker hierin zu wissen not tut, ihm in leichtfaßlicher Form und in einem Umfang vorzuführen, der dem Betriebsingenieur vollauf genügt.
An dieser Stelle sei auch auf ein schon 1941 erschienenes technik-geschichtliches Werk hingewiesen, da diese Veröffentlichung, in ihrer Art vortrefflich und einzigartig, ein selten aufgesuchtes Sondergebiet der Technik behandelt. Es ist das von Vincent J. M. Eras, Ehrenmitglied der International Association of Master Locksmiths im Gedächtnis an J. Lips (1847—1921), den Begründer der Lips-Fabrieken in Dordrecht, Mailand und Brüssel in holländischer Sprache herausgegebene Buch „Sloten en sleutels, dorr de eeuwen heen“ 31 . Es wird durch eine Terminologie und Etymologie des Schlosses, seiner Bestandteile und der Schlüssel eingeleitet; dann wird die Entwicklung des Schlosses durch mehr als zwei Jahrtausende unter Beibringung vieler seltener Abbildungen aus der Zeit und bei Wiedergabe von Originalobjekten dargelegt. Angefangen von den noch heute bei Völkern alten Brauchtums verwendeten hölzernen Fallriegelschlössern zu den ältesten aus metallischen Werkstoffen im alten Griechenland gebräuchlichen Tempelschlössern mit ihren riesenhaften Schlüsseln übergehend, wird die Entwicklung des Schlosses und des Schlüssels in deren verschiedenen Formen, sowie in einfacher und in künstlerischer Ausführung, vielfach an Hand von Stücken aus der reichen Lips-Sammlung, geschildert, um mit den neuzeitlichen Panzerkassen- und Stahlkammerschlössern zu enden. Dieses Buch ist insbesondere auch für ein Museum von Wert, das, wie das Wiener Technische Museum, selbst Besitzer einer umfangreichen Schloß- und Schlüsselsammlung ist. Diese wurde von Andreas Dillinger (1849—1919) in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den Ostalpenländern zusammengebracht. Es ist nur bedauerlich, daß diese Sammlungen des Technischen Museums in Eras’ Buch unerwähnt bleiben.
Seit dem Erscheinen des 12. Heftes dieser Blätter im Jahre 1950, in denen zum erstenmal auf die Ciba-Veröffentlichungen, „Ciba-Zeitschrift“ und „Ciba-Rund- schau“ hingewiesen wurde, sind weitere Hefte von den patronisierenden chemischen Werken, Basel, herausgebracht worden. Es sind wahre Kabinettstücke von Sonderforschungsarbeiten darunter. Hier seien bloß einige aufgezählt, die für die
31 Vincent J. M. Eras: „Sloten en sleutels door de eeuwen heen“ van J. Lips Bzn, 1847—1921, stichter der Lips-fabrieken te Dordrecht, Milaan, Brussel.
Technikgeschichte, 13. Heft.
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