Technikgeschichtliche Bücherschau
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ländische Gründung von Familien, die bayrischen Stammes waren, sondern behandelt auch die Geschichte und Wirtschaftsentwicklung des Burgenlandes im allgemeinen. Besonders interessant sind die Hinweise darauf, in welcher AVeise die A^erfassungsänderungen im Rahmen des Habsburgerstaates, namentlich aber die 1867 erfolgte Trennung in zwei Reichshälften, sich auf Industrieunternehmungen auswirkten: wird dies auch nur am Beispiel Siegendorf dargestellt, so ist dieser Teil der Darstellung doch von allgemeingültiger Bedeutung für die Geschichte heimischer Industrien.
Den AA 7 erdegang eines hundertjährigen Unternehmens aus dem Sektor des Ernährungswesens schildert auch die Festschrift „Hundert Jahre Mautner-Hefe 1850—1960“. 17 Zu den Betrieben der in AATen in der Zeit des A'ormärz ansässig gewordenen Industriellenfamilie Mautner-Markhof gehörte das seit 1839 gepachtete und wenige Jahre später erworbene, in den Baulichkeiten des ehemaligen St. Marxer Altersheims etablierte Brauhaus sowie die 1893 errichtete St. Georgs- Brauerei in Floridsdorf. In St. Marx entwickelte der Gründer des Familienkonzerns Adolf Ignaz Mautner-Markhof (1801—1889) im Jahrel850 das von ihm erdachte \ T erfahren zur Herstellung von Preßhefe. Im Simmeringer Werk der Familie, das unter Leitung der Nachfahren von Adolf Ignaz Mautner-Markhof, dem Sohn Carl Ferdinand (1835—1895), sowie der Enkel ATktor (1865—1890) und Theodor (1869—1947), und der Urenkel unter der Führung Manfreds v. Mautner-Markhof stets auf der Höhe des jeweiligen Standes der industriellen A 7 er- fahrenstechnik erhalten wurde, werden Preßhefe und Nährhefe neben anderen Nahrungsmitteln, wie Fruchtsäften, Sodawasser, Spirituosen und Essig, noch heute in Großerzeugung hergestellt. Die Preßhefe, die also eine Wiener Erfindung ist, gehört heute in der Brotherstellung und auch im Hauswesen beim Backen in der Röhre zu den unerläßlichen Zutaten.
Die mit vielen farbigen Illustrationen ausgestattete Jubiläumsschrift „Hundert Jahre AA r ertheim“ 18 berichtet über den Aufstieg der bedeutendsten Industriegründung des in Krems in engen A 7 erhältnissen geborenen Franz AA t erthelm (1814—1883). Aus eigener Kraft erwarb sich dieser ein bedeutendes technisches AA 7 issen, das ihn in Verbindung mit der ihm eigenen Intelligenz dazu befähigte, seine Unternehmungen, die er mit einem kleinen Gewerbebetrieb zur Erzeugung von Holzbearbeitungswerkzeugen begann, zu einem weit über die Grenzen des Kaisertums Österreich hinaus bekannten Großunternehmen auszugestalten und für sich selbst den österreichischen Freiherrntitel zu erwerben. 1852 begann AA t ertheim in der AA 7 iener A 7 orstadt Erdberg mit 80 Arbeitern die Erzeugung einbruchsicherer und feuerfester Kassen. Wertheims Absichten in seinem letzten Lebensjahr gingen dahin, das Produktionsprogramm durch den Bau von Aufzügen zu erweitern. Heute erzeugt das zu großem Umfang und zu bedeutender Leistungsfähigkeit emporgewachsene Unternehmen neben Kassen, Tresors sowie Aufzügen für Personen und Lasten auch Bürostahlmöbel und Nahfördermittel; unter diesen sei insbesondere auf Rolltreppen hingewiesen, eine Fertigung, die erst in letzter
17 „Hundert Jahre Mautner-Hefe 1850—1950“, herausgegeben von Vereinigte Mautner Markhof’sche Preßhefe-Fabriken, Wien 1950.
18 „Hundert Jahre AVertheim 1852—1952“, Wien 1952.
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