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Erich Ktjrzel-Runtscheiner
Zeit aufgenommen wurde. Das von Wertheim selbst auf der Wieden in der heutigen Mommsengasse errichtete Werkstattgebäude war eine für die damalige Zeit beispielhafte Erzeugungsstätte. Dasselbe Lob ist auch dem weiträumigen Industriekomplex der Wertheim-Werke zu spenden, der 1941 in der Wienerbergstraße bezogen werden konnte. Neben der Erzeugung an dieser neuen Stätte ging die Fertigung auch in der Mommsengasse weiter, bis in den Apriltagen 1945 die alte WERTHEiMSChe Fabrik ein Raub der Flammen wurde; sie hätte auch, ohne daß dieses Kriegsereignis eingetreten wäre, als industrielle Anlage nach den Richtlinien der Stadtplanung nicht weiter bestehen können. Die Zerstörung des alten Bestandes erwies aber, wie richtig und weitblickend die rechtzeitige Errichtung der neuen Werksanlagen gewesen ist.
Wie die Wertheim-Werke, so kann auch die Waagenfabrik C. Schember & Söhne heuer auf ein Jahrhundert des Bestehens zurückblicken. 19 „Hundertjährige Unternehmungen sind in einer auch wirtschaftlich so stürmischen Zeit ebenso selten wie hundertjährige Menschen“, sagte Bundespräsitent Dr. Körner bei der Feier, auf der das von Conrad Schemrer (1811—1891) als Handwerksbetrieb auf der Jägerzeile — der heutigen Praterstraße — in Wien 1852 gegründete Unternehmen auf ein von Arbeit, aber auch von Erfolg erfülltes Jahrhundert zurückblickte. Der Gründer war aus Helsa bei Kassel 1836 nach Wien gekommen, war im Waagenbau tätig und dann als „Maschinführer“ mit dem im raschen Aufstieg begriffenen Eisenbahnwesen in Berührung gekommen. Von diesem erhielt das junge Unternehmen auch die ersten entscheidenden Aufträge auf Lieferung von Stationswaagen, Waggonwaagen und Lokomotivwaagen. Des Gründers Sohn, Carl AuGUSt Schemrer (1838—1917), erweiterte und verbesserte den Betrieb, dessen Erzeugnisse bald auch außerhalb der Grenzen der Habsburgermonarchie bekannt und begehrt wurden. Die Rollgewichtswaage und Kreiszeigerwaagen sowie Brückenwaagen größter Belastbarkeit und mit elektrischer Fernschreibeeinrichtung zur Gewichtskontrolle sind die Spezialerzeugnisse der Schember-Werke von heute, eines Unternehmens, das 1878 aus unzulänglichen Räumlichkeiten in der Leopoldstadt in das heute noch bestehende. AVerk in Atzgersdorf übersiedelte. Die Schember-Werke haben sich trotz schwerer Schädigungen am Ausgang des zweiten Weltkrieges schon längst ihren alten internationalen Ruf wiederum sichern und als Devisenbringer große Lieferungen an die ausländische Industrie, die ihre Waagen begehrt, übernehmen können.
Ein genialer, in Österreich entstandener Erfindungsgedanke war es, das feuerfeste, faserförmige Mineral Asbest mit Portlandzement und Farbstoffen zu einem neuen Werkstoff, dem Asbestzement, zu verarbeiten. Dieser Gedanke war der Ausgangspunkt einer weltumspannenden Industrie, die für Österreich von großer wirtschaftlicher Bedeutung wurde. Ihre Entstehung und Ausbreitung schildert die Festschrift der Eternitwerke Vöcklabruck „50 Jahre Eternit“. 20 Der Erfinder des Werkstoffes Asbestzement, aus dem Eternit erzeugt wird, Ludwig Hatschek (1856—1914), war ein geborener Olmützer. Er erlernte ursprünglich das Brau-
19 ,,100 Jahre Schember-Waagen 1852—1952“, Wien 1952.
20 ,,50 Jahre Asbestzement-Industrie — 50 Jahre Eternit-Werke Ludwig Hatschek“, Vöcklabruck 1950.