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1952: Vierzehntes Heft
Entstehung
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Technikgeschichtliche Bücherschau

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gewerbe, das er bis zum Jahre 1892 im väterlichen Betriebe auch ausübte. Dann aber suchte er sich das väterliche Unternehmen war in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden ein neues Betätigungsfeld und erwarb eine Asbestwaren­fabrik. Sein Leitgedanke war es, ein neues Erzeugnis auf den Markt zu bringen, das als Markenartikel abgesetzt werden konnte. So ging er an die Herstellung von Dachdeckmaterial aus Asbest; doch erst nach vier Jahren erfolgloser Ver­suche fand er die Lösung des Problems durch Verwendung von Portlandzement als Bindemittel für die Asbestfaser und in der Verarbeitung des Gemenges auf einer Pappenmaschine zu einem Kunststein. Hatsciiek meldete seine Erfindung in allen Kulturstaaten zum Patent an und gab dem Werkstoff den NamenEter­nit. Ein aufreibender Kampf um die Erreichung und Verteidigung seiner Patente erschütterte seine Gesundheit, doch erlebte er noch den Aufschwung der von ihm begründeten Industrie zu einem Großunternehmen. Im Jahre 1900 hatte II atschek in Vöcklabruck sein Stammwerk in Betrieb setzen können. 1903 er­richtete er eine Asbestwarenfabrik in Ungarn. Im selben Jahr wurde eine solche von Geschäftsfreunden in Frankreich gegründet, 1904 folgte USA., 1907 Belgien und Italien, 1908 Schweden. Heute arbeiten, auf alle Erdteile verteilt, weit über 200 Asbestzementwarenfabriken nach dem IlATSCHEKSchen Verfahren. Wenn auch Hatsciieks Patente abgelaufen sind, gereicht es Österreich doch auch jetzt noch zum ltuhm, daß dieses in aller Welt verwertete Verfahren in unserer Heimat entwickelt und von hier aus verbreitet worden ist.

Die Festschrift, die aus Anlaß der 50jährigen Wiederkehr der Gründung eines Konstruktionsbüros durch Ingenieur Hanns Hoerbiger, des 25jährigen Be­stehens der Firma Hoerbiger & Co. und des Abschlusses des Wiederaufbaues des Hoerbiger-Werkes in Wien-Simmering 21 im September 1951 herausgegeben wurde, enthält im ersten Teil eine jedem technikgeschichtlich Interessierten willkommene Gabe: einen mit wertvollen Abbildungen ausgestatteten Bericht über die histori­sche Entwicklung der Ventile. In die Firmengeschichte eingehend, wird dargelegt, wie der einer alten Tiroler Bauernfamilie entstammende Hanns Hoerbiger aus einem 1894 erstmalig gefaßten und bald durch Patente geschützten Erfindungs­gedanken massearme, reibungsfrei geführte Plattenventile für Gebläse, Pumpen und Kompressoren entwickelte. Diesen bald alsHoerbiger-Ventil bezeichneten Maschinenbauteil entwickelte Hanns Hoerbiger und später seine beiden gleich ihm Ingenieure gewordenen Söhne zu immer größerer Vollkommenheit. Seit der Jahrhundertwende ist für Gebläse, Pumpen und Kompressoren in aller Welt kaum jemals ein selbsttätiges Einlaß- (Saug-) oder ein Auslaß- (Druck-) Ventil kon­struiert worden, das nicht vom HoERBiGERSchen Erfindungsgedanken beeinflußt worden wäre. Nach HoERBiGERSchen Lizenzen wurden und werden diese Ventile in aller Welt gebaut, und die von Hanns Hoerbiger mit seinen beiden Söhnen nach so manchem Auf und Ab 1930 ins Leben gerufene Fabrikationsstätte in Sim­mering hat seither zahllose Ventile seiner Bauart dem Maschinenbau des Inlandes

21Festschrift aus Anlaß der 50jährigen Wiederkehr der Gründung des Konstruk­tionsbüros des Seniorchefs Ing. Hanns Hoerbiger, des 25jährigen Bestehens der Firma Hoerbiger & Co. und des Abschlusses des Wiederaufbaues unseres Werkes, Wien 1951.