Aufsatz 
Die Entwicklung des Hydrographischen Dienstes in Österreich von 1893 bis 1953 / von Egbert Salcher
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Die Entwicklung des Hydrographischen Dienstes in Österreich von 1893 bis 1953 11

Innern, dem die Obsorge für die öffentlichen Wasserbauangelegenheiten oblag, förderte in großzügiger Weise die Organisation; der als sehr sparsam bekannte altösterreichische Staat stellte ausreichende Kredite zur Verfügung, eine straffe Verwaltung ermöglichte die einheitliche Gestaltung und Handhabung des Dienstes in der ganzen Reichshälfte; ausgewähltes Personal stand zur Verfügung.

Mit der Einrichtung des HD war k. k. Oberbaurat Romuald Iszkowski' be­traut; nach zweijähriger Vorarbeit erschien, wie eingangs angeführt, am 14. Ok­tober 1893 in der Wiener Zeitung die amtliche Bekanntgabe über die Errichtung eines hydrographischen Centralbureaus im k. k. Ministerium des Inneren, womit der Dienstbetrieb seinen Anfang nehmen konnte. Nach zwei Richtungen setzten nunmehr die Arbeiten ein: zum verwaltungsmäßigen Aufbau der neuen Dienst­stelle, sowie zur Erfassung der im Reichsgebiet bereits vorhandenen hydrogra­phisch verwertbaren Beobachtungsstellen und Meßergebnisse als Unterlage zur weiteren Ausgestaltung. Das im nächsten Jahr, 1894, erlassene Organisations- Statut bildet mit seinen ebenso zielbewußten als erschöpfenden Bestimmungen die festgefügte Grundlage, nach welcher im Sinne zeitgemäß eingetretener Ver­änderungen noch gegenwärtig gearbeitet wird. Als leitendes Organ des HD wurde das eben im Innenministerium errichtete HZB bestimmt, außerdem wurden bei jeder der 8 k. k. Statthaltereien der größeren und den 6 k. k. Landesregierungen der kleineren Kronländer je eine Hydrographische Landesabteilung, kurz HLA bezeichnet, aufgestellt. Das HZB war als selbständige Abteilung vorerst dem Wasserbau-Departement, die 14 HLA den Baudirektionen angegliedert; diese Ein­teilung blieb bis zum Zusammenbruch der Monarchie bestehen. Im Bundesgebiet verblieben davon 6 HLA, zu denen dann in weiterer Folge noch eine für das von Tirol abgetrennte Vorarlberg hinzukam, sowie eine Dienststelle für das neuge­schaffene Burgenland.

Nach erfolgreicher Bewältigung des grundlegenden organisatorischen Auf­baues übernahm Iszkowski, der auch durch vielfältige wissenschaftliche Arbeiten in weiteren technischen Kreisen bekanntgewordene Hydrolog, dem der HD zu großem Dank verpflichtet ist, Ende 1895 als k. k. Ministerialrat andere Dienstes­obliegenheiten; noch in aktiven Diensten starb er 1904 im Alter von 56 Jahren, nachdem er kurz vorher seiner Verdienste wegen in den Adelsstand erhoben worden war.

Ganz ungewöhnliche Ausmaße nahm weiterhin der nunmehr auf feste Grund­lagen gestellte HD in seiner Entwicklung unter dem zweiten Vorstand, dem k. k. Oberbaurat diplomierten Ingenieur Ernst Lauda an. Die durch die Hochwasser­katastrophe von 1899 veranlaßten Studien sowie die Gutachten zur Wasserkraft­nutzung waren es vorwiegend, die das Ansehen des HZB derart steigerten, daß es nunmehr führend allen hydrotechnischen Erörterungen beigezogen wurde. Das gewaltig ausgedehnte Departement reichte nicht mehr zur Bewältigung der Arbeit aus. Mit der 1908 erfolgten Errichtung des k. k. Ministeriums für öffentliche Arbeiten wurde das HZB diesem zugeordnet, wo es eine eigene Revisionsgruppe für Hydrographie mit nunmehr drei Departements erhielt, zu welchen drei Jahre später noch ein viertes hinzukam; die Jahrbuchangelegenheiten wurden im

Technikgeschichte, 15. Heft.

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