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R. Ehrenberger
des modernen, wasserbaulichen Versuchswesens bezeichnet werden. Wenngleich das Dresdener Laboratorium noch in sehr bescheidenen Grenzen gehalten war (es besaß nur eine einzige neigbare Flußbaurinne von 13 m Länge und 2 m Breite und verfügte nur über eine sekdl. Wassermenge von 301) und, wie sich später herausstellte, die Lösung der flußbaulichen Aufgaben im Wege des Modellversuches wohl zu den allerschwierigsten des ganzen Versuchswesens zählt, bildeten die ersten Erfolge Engels den Anstoß zur Errichtung neuer Versuchsanstalten. Die Erkenntnis von der Wichtigkeit des wasserbaulichen Versuchswesens für den gesamten Wasserbau rang sich in den folgenden Jahren immer mehr und mehr durch.
Im Laufe des ersten Vierteljahrhunderts folgten dem Dresdener Flußbaulaboratorium die Laboratorien in Karlsruhe 1901, Berlin 1903, Wilhelmshafen und Leningrad 3907, Darmstadt 1908, Berlin-Charlottenburg und Graz 1912 und als neuntes Laboratorium die staatliche Versuchsanstalt für Wasserbau in Wien im Jahre 1913. Hierauf folgten Stockholm und Brünn 1917, Danzig 1925, das Hydrologische Institut an der Technischen Hochschule in Wien 1926 und in der folgenden Zeit Hannover, Stuttgart, München, Braunschweig und Aachen. Italien verfügte über vier Versuchsanstalten (Padua, Pisa, Mailand und Rom); Frankreich über drei (Beauvert, Toulouse und Metz). Ferner sind zu erwähnen die Laboratorien in Budapest, Delft, Madrid, Manchester, Prag, Riga, Trondhjem und schließlich, aber nicht als letzte, die große, moderne Versuchsanstalt in Zürich. An außereuropäischen Ländern, in denen es wasserbauliche Versuchsanstalten gibt, wären zu nennen: Ägypten, Argentinien, China. Japan, Niederländisch-Indien, Vorder-Indien usw.; ferner Rußland mit zirka 30 Anstalten und die USA. mit rund 50. Hinsichtlich der letzten beiden Staaten ist zu erwähnen, daß sich darunter verschiedene hydrotechnische Laboratorien befinden, die sich nicht mit den Aufgaben des Wasserbauingenieurs befassen. AVährend die zeitliche Aufzählung der bis zum Jahre 1925 errichteten Laboratorien noch verhältnismäßig leicht ist und Anspruch auf Vollständigkeit erheben dürfte, trifft dies bei den in den letzten Jahrzehnten fertiggestellten nicht mehr zu.
So trat seit der Jahrhundertwende zu den eingangs auf gezählten zwei Hilfswissenschaften, nämlich der Hydraulik und der Hydrographie, als dritte, nicht minder wichtige, das wasserbauliche Versuchswesen hinzu. Ohne daß man auf die bisherige ungeheure Arbeitsleistung dieser Versuchsanstalten und die indenseiben erzielten Erfolge hier näher einzugehen braucht, folgt schon allein aus der vorstehenden, kurzen historischen Aufzählung der über die ganze Erde verbreiteten Wasserbaulaboratorien, welchen Wert man diesen Anstalten heute in allen Kulturstaaten beimißt. Wohl hat es zu Beginn des modernen wasserbaulichen Versuchswesens viele Zweifler gegeben, die die Modellversuche geringschätzig als Zwergversuche bezeichneten und ihnen jede Bedeutung absprechen wollten. Die ungeahnte Entwicklung dieses jungen Wissenszweiges und in erster Linie die vielfachen Bestätigungen der Versuchsergebnisse durch die Vorgänge in der Natur haben jedoch diese Zweifler schon längst zum Schweigen gebracht und das Vertrauen zu den Modellversuchen in hohem Maße gehoben. Bei dieser Gelegenheit