Aufsatz 
Die Entwicklung des wasserbaulichen Versuchswesens : zum 40jährigen Bestand der Bundesversuchsanstalt für Wasserbau in Wien / von Rudolf Ehrenberger
Entstehung
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R. Ehrenberger

Besonders trifft dies beim Vorliegen mehrerer Projektsvorschläge zu, wenn es sich darum handelt, die relativ beste Lösung zu finden.

Wie bereits früher erwähnt, zählen die rein flußbaulichen Modellversuche zu den schwierigsten und gleichzeitig auch zu den zeitraubendsten Aufgaben des wasserbaulichen Versuchswesens. Die richtige Wahl des Bettmaterials im Modell, die Ermittlung des Zeitmaßstahes usw. setzen ebenso große Erfahrungen als auch theoretische Kenntnisse voraus. Infolge der äußerst komplizierten Wechsel­wirkung zwischen Wasserabfluß und Geschiebetrieb begnügt man sich auch in solchen Fällen vornehmlich mit der Erlangung qualitativer Ergebnisse. Neue, schöne Ansätze zur Weiterentwicklung auf diesem Gebiet zeigen u. a. die neueren Arbeiten der Versuchsanstalt an der Technischen Hochschule in Zürich.

Der Tätigkeit der wasserbaulichen Versuchsanstalten kommt, abgesehen von dem ideellen Wert wissenschaftlicher Untersuchungen, auch große volkswirt­schaftliche Bedeutung zu. Da die Kosten für die Durchführung eines Modell­versuches nur einen Bruchteil der Gesamtkosten des zu erstellenden Bauwerkes ausmachen, durch die Modellversuche aber Fehlprojektierungen vermieden oder ökonomisch richtigere Lösungen gefunden werden können, sind unter Umständen große Ersparnisse an Baukosten zu erzielen. Es sollte daher kein Wasserbau­werk, bei dem sich Zweifel in hydraulischer Beziehung ergeben, ausgeführt werden, ohne daß vorher die betreffenden Vorgänge im Wege des Modellversuches geklärt werden. Dieser Grundsatz gilt in gleicher Weise für große, wie auch für mittlere und kleine Bauten. Es zählt gar nicht zu den Seltenheiten, daß im Verlauf einer Versuchsdurchführung die ursprünglich gestellte Aufgabe mehr oder weniger in den Hintergrund tritt, da der Versuch andere, wichtige, aber gänzlich un­erwartete Erscheinungen aufdeckt, die vom Projektanten naturgemäß noch nicht berücksichtigt werden konnten. Bei dieser Gelegenheit kann nicht genug hervor­gehoben werden, daß die Vornahme von Modellversuchen unbedingt zu den Projek­tierungsarbeiten zu zählen ist und daß der Entschluß hiezu nicht erst im Zeit­punkt der Bauausführung gefaßt werden sollte, wie dies leider vielfach der Fall ist. Denn einerseits geben die Modellversuche oft genug Anlaß zu Abänderungen und Verbesserungsvorschlägen, die später, wenn die Versuche nicht zeitgerecht an­beraumt wurden, nur mehr mit unverhältnismäßig großen Kosten berücksichtigt werden können, und anderseits besteht in solchem Falle die Gefahr der Über­hastung, die der Güte und Vollständigkeit der Versuchsarbeit sicherlich nicht zum Vorteile gereicht.

Die erfolgreiche Entwicklung des wasserbaulichen Versuchswesens und die ständig wachsende Zahl neuer Laboratorien zeitigten bald das Bedürfnis nach einer engeren Zusammenarbeit dieser Forschungsstätten. In Verfolgung eines auf der Weltkraftkonferenz in Berlin vom österr. Vertreter (Prof. Dr. Schaffernak) gestellten Antrages erfolgte im Jahre 1935 die Gründung desInternationalen Verbandes für wasserbauliches Versuchswesen. Die Aufgaben desselben sind in § 2 der Satzungen niedergelegt, der lautet:

Das Ziel des Verbandes ist, die internationale Zusammenarbeit der Inter­essenten des wasserbaulichen Versuchswesens zu fördern und den auf diesem Gebiet Arbeitenden Gelegenheit zum Austausch von Ansichten, Erfahrungen und