Aufsatz 
Die Entwicklung des wasserbaulichen Versuchswesens : zum 40jährigen Bestand der Bundesversuchsanstalt für Wasserbau in Wien / von Rudolf Ehrenberger
Entstehung
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lt. Ehrenberger

vorzuführen. Der erste Leiter der Anstalt war Prof. Dr. Schaffernak,* von dem auch die Pläne stammten, ihm folgte Ministerialrat Dr. Skobanek, worauf im Jahre 1923 die Leitung dem Verfasser übertragen wurde. Derzeitiger Leiter ist Dipl.-Ing. Kandelsberger. Die personellen und budgetären Angelegenheiten re- sortieren zum Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft (Hydrographi­sches Zentralbüro). Die Ergebnisse von Versuchen mehr allgemeinen Inhaltes werden in den in zwangloser Reihenfolge erscheinendenMitteilungen der Ver­suchsanstalt für Wasserbau veröffentlicht. Bisher sind 28Folgen dieser Mit­teilungen erschienen.

Bis zum Vorjahr verfügte die Anstalt bloß über einen großen Versuchsraum, in welchem zwei stabile Versuchsrinnen eingebaut sind (die kleinere, lm breite hydraulische Rinne, deren Seitenwände in ihrem unteren Teil aus starken Spie­gelglastafeln bestehen, und das größere, 3 m breiteFlußbaugerinne). Während der Versuche befindet sich das Wasser in einem Kreislauf, indem es vom Hoch­behälter nach Passieren des Meßüberfalles und der eigentlichen Versuchsstrecke an deren unterem Ende in den Tiefenbehälter fließt, von wo aus es mittels Pum­pen wieder in den Hochbehälter gehoben wird. Die maximale, für Versuchs­zwecke zur Verfügung stehende Wassermenge beträgt 3001/sek.

Infolge ständiger Zunahme der Aufträge und des Umfanges der Modellver­suche reichte der eine Versuchsraum nicht mehr aus, so daß über demselben ein zweiter, größerer aufgebaut werden mußte. Der Entwurf stammt vom der­zeitigen Leiter der Anstalt, Dipl.-Ing. Kandelsberger, der auch die Bau­leitung inne hatte. Entsprechend den heutigen Erkenntnissen sind in dem neuen Versuchsraum keine stabilen Versuchsrinnen vorgesehen, so daß die ge­samte Breite bzw. Länge desselben für den jeweiligen Einbau ganz großer Mo­delle zur Verfügung steht. Durch Kombination des oberen mit dem unteren Raum ist es möglich, Versuche an Druckleitungen bis zu 8 m nutzbarer Höhe vorzunehmen, was bei einem Modellmaßstab von z. B. 1 :10 einer Höhe in der Natur von 80 m gleichkommt. Mit dem Erweiterungsbau war auch eine Ver­mehrung bzw. Verlegung der Amtsräume, Anschaffung moderner Maschinen für den Werkstättenbetrieb und der Aufbau einer Dienstwohnung verbunden.

Da die im Prater gelegeneHydrometrische Prüfanstalt den Bomben zum Opfer gefallen war, wurde im Zuge des Erweiterungsbaues an der Längsseite des alten Versuchsraumes ein neuer Prüfkanal hergestellt (Querschnitt 2/2m), der mit den modernsten Meßinstrumenten ausgestattet ist. Dadurch ist es möglich, hydrometrische Flügel aller Art und zu jeder Jahreszeit (im Gegensatz zur alten Prüfanstalt) zu eichen.

* Professor Dr. Friedrich Schaffernak wurde 1881 in Windischgraz geboren, absol­vierte die Technische Hochschule in Graz mit Auszeichnung, wurde nach einigen Jahren Praxis 1909 in das Ministerium für öffentliche Arbeiten (Hydrographisches Zentral­büro) einberufen und 1913 mit der Leitung der von ihm projektierten Staatlichen Versuchsanstalt für Wasserbau betraut. 1914 promovierte er zumDr. techn. an der Tech­nischen Hochschule Wien, wo er 1919 zum ordentlichen Professor und 1929/30 zum Rektor ernannt wurde. 1926 schuf er das Hydrologische Institut an seiner Lehrkanzel. 193 fwurde er wirkliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Wien. 1935 erschien sein HauptwerkDie Hydrographie. Er starb 1951 in Eggenberg bei Graz.