22
lt. Ehrenberger
vorzuführen. Der erste Leiter der Anstalt war Prof. Dr. Schaffernak,* von dem auch die Pläne stammten, ihm folgte Ministerialrat Dr. Skobanek, worauf im •Jahre 1923 die Leitung dem Verfasser übertragen wurde. Derzeitiger Leiter ist Dipl.-Ing. Kandelsberger. Die personellen und budgetären Angelegenheiten re- sortieren zum Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft (Hydrographisches Zentralbüro). Die Ergebnisse von Versuchen mehr allgemeinen Inhaltes werden in den in zwangloser Reihenfolge erscheinenden „Mitteilungen der Versuchsanstalt für Wasserbau“ veröffentlicht. Bisher sind 28 „Folgen“ dieser Mitteilungen erschienen.
Bis zum Vorjahr verfügte die Anstalt bloß über einen großen Versuchsraum, in welchem zwei stabile Versuchsrinnen eingebaut sind (die kleinere, lm breite „hydraulische Rinne“, deren Seitenwände in ihrem unteren Teil aus starken Spiegelglastafeln bestehen, und das größere, 3 m breite „Flußbaugerinne“). Während der Versuche befindet sich das Wasser in einem Kreislauf, indem es vom Hochbehälter nach Passieren des Meßüberfalles und der eigentlichen Versuchsstrecke an deren unterem Ende in den Tiefenbehälter fließt, von wo aus es mittels Pumpen wieder in den Hochbehälter gehoben wird. Die maximale, für Versuchszwecke zur Verfügung stehende Wassermenge beträgt 3001/sek.
Infolge ständiger Zunahme der Aufträge und des Umfanges der Modellversuche reichte der eine Versuchsraum nicht mehr aus, so daß über demselben ein zweiter, größerer aufgebaut werden mußte. Der Entwurf stammt vom derzeitigen Leiter der Anstalt, Dipl.-Ing. Kandelsberger, der auch die Bauleitung inne hatte. Entsprechend den heutigen Erkenntnissen sind in dem neuen Versuchsraum keine stabilen Versuchsrinnen vorgesehen, so daß die gesamte Breite bzw. Länge desselben für den jeweiligen Einbau ganz großer Modelle zur Verfügung steht. Durch Kombination des oberen mit dem unteren Raum ist es möglich, Versuche an Druckleitungen bis zu 8 m nutzbarer Höhe vorzunehmen, was bei einem Modellmaßstab von z. B. 1 :10 einer Höhe in der Natur von 80 m gleichkommt. Mit dem Erweiterungsbau war auch eine Vermehrung bzw. Verlegung der Amtsräume, Anschaffung moderner Maschinen für den Werkstättenbetrieb und der Aufbau einer Dienstwohnung verbunden.
Da die im Prater gelegene „Hydrometrische Prüfanstalt“ den Bomben zum Opfer gefallen war, wurde im Zuge des Erweiterungsbaues an der Längsseite des alten Versuchsraumes ein neuer Prüfkanal hergestellt (Querschnitt 2/2m), der mit den modernsten Meßinstrumenten ausgestattet ist. Dadurch ist es möglich, hydrometrische Flügel aller Art und zu jeder Jahreszeit (im Gegensatz zur alten Prüfanstalt) zu eichen.
* Professor Dr. Friedrich Schaffernak wurde 1881 in Windischgraz geboren, absolvierte die Technische Hochschule in Graz mit Auszeichnung, wurde nach einigen Jahren Praxis 1909 in das Ministerium für öffentliche Arbeiten (Hydrographisches Zentralbüro) einberufen und 1913 mit der Leitung der von ihm projektierten Staatlichen Versuchsanstalt für Wasserbau betraut. 1914 promovierte er zumDr. techn. an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1919 zum ordentlichen Professor und 1929/30 zum Rektor ernannt wurde. 1926 schuf er das Hydrologische Institut an seiner Lehrkanzel. 193 fwurde er wirkliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Wien. 1935 erschien sein Hauptwerk „Die Hydrographie“. Er starb 1951 in Eggenberg bei Graz.