Zur Geschichte des hydrometrischen Meßwesens.
Von
Sektionsrat Dipl.-Ing. Otto Lanser.
Mit 11 Abbildungen.
Von Galileo Galilei stammt das berühmte Wort: „Den Gestirnen vermag ich ihre Bahn anzuweisen, dem Wassertropfen aber nicht.“ Galilei wollte damit zum Ausdruck bringen, daß es mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug seiner Zeit zwar bereits möglich war, die Bewegungen der Himmelskörper, wenigstens der damals bekannten Planeten, messend und rechnend zu verfolgen und dadurch auch vorherzubestimmen, daß sich die damalige Mechanik aber noch gänzlich außerstande sah, Ähnliches auch nur für die einfachsten hydrodynamischen Probleme zu leisten.
An diesem Rückstand der Hydromechanik gegenüber derjenigen der festen Körper ist sicher auch ein rein beobachtungstechnischer Umstand mit schuld: die letztere, zu der ja insbesondere auch die Himmelsmechanik gehört, hat es mit scharf begrenzten, klar erkennbaren Einzelkörpern zu tun, deren Bewegungen rein visuell, wenn auch mit entsprechenden Instrumenten (Fernrohren), beobachtet und gemessen werden können. Anders in der Hydromechanik. Der „Wassertropfen“ ist ja nur ein Teilchen unter Millionen seinesgleichen, durch nichts von den anderen unterschieden, daher auch nicht identifizierbar und in seinen Bewegungen nicht verfolgbar. Die ältesten Geräte zur Messung der Wassergeschwin- digkeit verdanken daher ihre Erfindung weniger den praktischen Notwendigkeiten als dem Bestreben der Physiker und Hydrauliker, den Gesetzen der Wasserbewegung auf die Spur zu kommen.
Freilich hat auch ein vom wirtschaftlichen Leben gestelltes Bedürfnis zur Messung von Fließgeschwindigkeiten, genauer gesagt, zur Messung von Durch- flußmengen schon lange bestanden, und zwar vor allem bei Bewässerungsanlagen. Zwar wußten Mühlen- und Wasserwerksbesitzer sicher auch damals schon aus ihrer täglichen Erfahrung, daß die „Kraft“ eines Wasserrades mit der Wassermenge, die darauf geleitet wird, zunimmt; aber bei der Wasser Verschwendung, die bei den meisten altertümlichen Wasserrädern sich einstellt und bei der Unkenntnis der erst viel später erarbeiteten Begriffe „Mechanische Arbeit“, „Wirkungsgrad“ u. dgl. bestand auf dem Gebiete der Kraftnutzung kaum eine Notwendigkeit zur Messung der Wasserführung.