Zur Geschichte des hydrometrischen Meßwesens
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größeres Zahnrad eingriff. Merkwürdigerweise wurde diese Übersetzung ins Langsame nun nicht dazu verwendet, die Umdrehungen des Windrades in geeigneter Weise zu zählen und daraus unmittelbar auf die Windgeschwindigkeit zu schließen. Mit Hilfe dieses Gerätes konnte vielmehr bloß der Winddruck gemessen werden, denn am Zahnrad war ein Hebelarm mit einem Gewicht radial befestigt, der in Ruhestellung senkrecht nach unten zeigte, durch die Drehung des Zahnrades aber so weit angehoben wurde, bis die mit dem Sinus des Verdrehungswinkels anwachsende Rückstellkraft (genauer gesagt: das Rückdrehmoment) der vom Windrad gelieferten Antriebskraft das Gleichgewicht hielt und dieses damit zum Stillstand gelangte. Das Gewicht konnte längs des Hebelarmes verschoben werden, um die Rückstellkraft verschiedenen Windstärken anzupassen. Es liegt auf der Hand, daß mit einem solchen Winddruckgerät wohl einigermaßen ein gegenseitiger Vergleich verschiedener Windstärken möglich war, ein Schluß auf die absolute Windgeschwindigkeit dagegen kaum annähernd gezogen werden konnte; eine theoretische Berechnung ist viel zu unsicher, da die ablesbare Windkraft von den zufälligen baulichen Gegebenheiten des Gerätes weitgehend abhängt und auch die grundsätzlichen Annahmen zu ungeklärt sind; eine Eichung im Versuchswege war damals noch außerhalb der gegebenen Möglichkeiten. Die Verwendung des propellerähnlichen Windrades und der Schnecke lassen dieses Gerät aber dennoch als einen bemerkenswerten Vorläufer des späteren hydrometrischen Flügels erscheinen, der .ja diese beiden Bauelemente auch heute noch aufweist; eine ganze Anzahl um die damalige Zeit auf gekommener Strömungsmeßgeräte macht sich hingegen andere, an sich oft recht geistreiche Bauprinzipien zunutze, führt damit aber auf entwicklungsgeschichtliche Nebenlinien, die später keine Fortsetzung mehr fanden.
Wohl das einzige von ihnen, bei dem dank des genial einfachen Bauprinzips ein theoretisch exakter Zusammenhang zwischen dem Meßwert und der Wassergeschwindigkeit besteht, ist die nach ihrem Erfinder (7) benannte PiTOTSche Röhre. Sie verwandelt die kinetische Energie eines Stromfadens in Energie der Lage (v 2 /2g = h), so daß aus dem Maß h, um welches die Wassersäule des Gerätes die Wasseroberfläche überragt, das v ermittelt werden kann. Spätere Verbesserungen haben die ursprüngliche Unbequemlichkeit der Handhabung zwar weitgehend behoben, trotzdem vermochte die PiTOTSche Röhre sich in der technischen Praxis nicht recht einzubürgern, wohl weil die fortwährenden Schwankungen der Wassersäule — eine Folge der Pulsationen der Fließbewegung — eine eindeutige Ablesung sehr erschweren. Im Laboratorium bildet sie dagegen ein oft unentbehrliches Gerät.
Eine reiche Fundgrube für alle zu Anfang des 18. Jahrhunderts bekannten technischen Apparate bildet das großartige Sammelwerk: „Theatrum machinarum, das ist Schau-Platz des Grundes mechanischer Wissenschaften“ von Jacob Leopold (5), Leipzig 1724. In acht mit meist sehr anschaulichen Kupferstichen reich ausgestatteten Bänden enthält es das gesamte technische Wissen seiner Zeit.
In den §§ 347 ff. des 1. Bandes behandelt es auch die Windmesser, bei denen es sich sämtlich um Winddruckmesser handelt. Das einfachste Prinzip verkörpert die LEUPOLDSche Windwaage, das ist ein quer zur Windrichtung zu
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