Aufsatz 
Zur Geschichte des hydrometrischen Meßwesens / von Otto Lanser
Entstehung
Seite
34
Einzelbild herunterladen

34

Otto Lanser

«leshalb, weil mit ihm, ebenso wie mit der Wasserfahne des Ximenes praktische Messungen in größeren Strömen ausgeführt und wertvolle Erkenntnisse gewonnen wurden (Bild 5, Fig. 3).

Brüning bediente sich wieder einer quer zur Strömung ins Wasser zu senkenden Stoßplatte, die am Kopfe einer in Rollen geführten waagrechten Stange ange­bracht, vom Wasserdruck parallel zu sich selbst verschoben werden konnte. Diese Druckkraft wurde mittels einer über eine Umlenkrolle geführten Schnur auf das kürzere Ende eines ungleicharmigen Waagebalkens geleitet, auf dessen anderem Arme ein nach Art einer Schnellwaage verschiebbares Gewicht die Größe der ausgeübten Kraft abzulesen gestattete. Hier fällt die Unsicherheit in der Be-

NMmiR

Bild 5. Ältere hydraulische Meßgeräte: Wasserfahne nach Ximenes, Strommesser von Brüning.

Stimmung des Angriffspunktes des Wasserdruckes fort. Die Druckplatte mit der Führungsschiene konnte an einer auf den Grund des Stromes gestellten, kräftigen senkrechten Stange in verschiedene Höhen verstellt und demnach die Wasser­geschwindigkeit an mehreren Punkten einer Vertikalen gemessen werden, ohne daß man das Gerät jedesmal aus dem Wasser hätte nehmen müssen. Die erheb­liche Reibung, mit der diese Geräte infolge der mechanischen Kompliziertheit, der Führungsrollen, Kraftübertragung, Umlenkscheiben u. dgl. behaftet waren, be­einträchtigte freilich auch noch, abgesehen von ihrer theoretischen Problematik, die Meßergebnisse. Wie schon früher erwähnt, dienten sie übrigens weniger dazu, die Abflußmenge eines Gewässers als die Verteilung der Geschwindigkeit über den Querschnitt, insbesondere in der Lotrechten zu ermitteln. Hierüber herrschten, wie auch schon angedeutet, selbst bei so bedeutenden Hydraulikern wie Gugliel- mini (2 3 ) und Torricelli (2 2 ), Schülern Galileis, ganz unzutreffende Vorstellun­gen. Die beiden Genannten nahmen an, daß die Geschwindigkeit des Wassers, analog dem Gesetze über den Ausfluß aus Gefäßen, auch in einem freien Flusse mit der Quadratwurzel aus der Tiefe wachse und daß die Geschwindigkeitsvertei­lung demnach eine Parabel mit horizontaler, in Höhe des Wasserspiegels gelegener Achse darstelle. Castelli (2Q, ebenfalls ein Schüler und treuer Freund Galileis,