Aufsatz 
Zur Geschichte des hydrometrischen Meßwesens / von Otto Lanser
Entstehung
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Otto Lanser

mentiert. Zur leichteren Handhabung ließ er die Schnecke fort und zählte die während einer bestimmten Zeit erfolgten Umdrehungen durch die Zahl der Windungen eines dünnen Fadens, den man auf der Welle des Rädchens sich auf- wickeln ließ (zit. nach Rühlmann, S. 366). Dank dieser Abänderung konnte das Rad in einer an einem Stiel befestigten Gabel gelagert und leicht, z. B. von einer Brücke aus, ins Wasser gehalten werden.

Trotz seiner Mängel bedeutet dieses von Leupold wahrscheinlich nicht er­fundene, aber zuerst beschriebene Gerät gedanklich einen großen Schritt weiter in der Entwicklung. Es verhält sich in der Geschichte der Naturwissenschaft und Technik ja oft so, daß ein Schritt, der den Nachfahren als ganz naheliegend und

fast selbstverständlich erscheint, lange Zeit nicht getan wurde, so, als hindere eine Art geistiger Schranke den weiteren Fortschritt. Diese Schranke erscheint nun mit dem UEUPOLDSchen Wasserrad, mag es auch keine größere praktische Bedeutung erlangt haben, durchbrochen; man erinnere sich, daß Wolf bei seinem Windrad auch schon ein Schneckengetriebe angewendet hatte und dennoch nicht vom Prinzip, den Staudruck zu messen anstatt der Geschwindigkeit, losgekommen ist, obwohl diese auch bei den meisten modernen Flügeln verwendete Schnecken­übersetzung es leicht ermöglicht hätte, Umdrehungszahl und Geschwindigkeit des Flügelrades zu messen.

Die Erfindungsgedanken Wolfs und Leupolds zu vereinigen, d. h. also ein Propellerrad unmittelbar als Geschwindigkeitsmesser zu verwenden, gelang aber erst um 1750 einem gewissen C. G. Schober, der darüber im Hamburgischen Maga­zin, IX. Band, 2. Stück, berichtet. Er ging von praktischen Aufgaben des Wind­mühlenbaues aus und stellte Versuche anüber die Kraft des Windes bei Uni­treibung der Windmühlenflügel. Dadurch wurde er auf die Frage der Wind­geschwindigkeitsmessung geführt.

Das WoLFSche Windrad bestand aus vier ebenflächigen, bis zur Nabe reichen­den Flügeln, die eine rechnerische Ermittlung der Windgeschwindigkeit aus der Umdrehungszahl kaum erlaubt hätten. Es sei B B ein Schnitt durch den Flügel